Medienwandel 9. August 2016

Was von der klassischen Nachricht übrig bleibt…

by Christian Jakubetz

Medienwandel, die nächste: Ob Geschichten in sozialen Netzwerken oder Nachrichten, die von Chat-Bots präsentiert werden – auch die äußere Form dessen, was wir bisher als Journalismus kannten, ändert sich gerade wieder mal erheblich…

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„Stories“ in sozialen Netzwerken

Jetzt also auch Instagram: Nachdem sich bereits Snapchat zur Möglichkeit von richtigen Geschichten entschlossen hatte, zog die Fotoapo nach. Mit einem nahezu identischen Konzept und einem absolut identischen Namen: „Stories“ soll etwas sein, was der Idee des flüchtigen Moments ein bisschen zuwider läuft. Soll bedeuten: Zwar bleiben beide Apps der Idee treu, dass sie auf einen Blick ein paar Momente ein paar Auszüge aus dem Leben geben, die man danach schnell wieder vergessen kann. Beiden scheint aber auch klar zu sein, dass das für Medienmacher nur so eine mittelgute Idee ist. Natürlich kann man auch in wenigen Stunden eine Geschichte erzählen. Und was weg ist, ist dann eben weg. Aber „richtiger“ Journalismus ist das eben dann doch nicht, wenn man nur ein Häppchen hingeworfen bekommt.

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(Foto: WikiHOW)

Also gibt es jetzt bei beiden – die „Stories“. Sie sind das, was der Name schon sagt: Man packt Fotos, Videos und andere Elemente/Snaps zusammen und macht daraus eine kleine oder auch etwas größere Geschichte. Das ist für Journalisten schon alleine deshalb ein Vorteil, weil man damit das machen kann, was Journalismus schon immer ausgemacht hat: Geschichten erzählen. Diese Geschichten bleiben dann 24 Stunden stehen, ehe sie dem neuen Drang zum Vergessen nachgeben.

Die ersten Redaktionen probieren sich bereits an den Instagram-Stories. Und immerhin lässt sich eines festhalten: Die grundsätzliche Neugierde für solche Geschichten scheint auch bei den Instagram-Nutzer vorhanden zu sein (auch wenn die Debatte, ob jetzt Instagram zum Snapchat-Killer wird, eine vermutlich völlig unsinnige ist).  Bei „Al Jazeera plus“ beispielsweise hat eine Geschichte aus Mexiko von rund 430.000 Follower bei Instagram immerhin rund 12.000 Menschen dazu gebracht, sie anzuschauen. Das entspricht einer Quote von 8 Prozent. Gut, bei Snapchat kommen Geschichten der Redaktion schon mal auf Quoten von 70 Prozent. Aber da sind es die User erstens vermutlich schon mehr gewöhnt, zweitens kann das ja auch an dem durchaus sperrigen Thema liegen.

Weitere bekannte und internationale User der Instagram-Stories: New York Times, Huffington Post und Bloomberg.

Interessant sind die Stories bei Snapchat und Instagram auch aus einem anderen Grund: Branchenriese Facebook hat seinen Algorithmus generalüberholt und lässt nun wie angekündigt deutsch weniger Postings von Seiten und damit auch Redaktionen durch. Der Hintergrund dessen ist klar: Künftig sollen es weniger die Links nach draußen, als vielmehr die auf der eigenen Seite erzählten Geschichten sein, die ausgespielt werden. Zudem ist das Bemühen erkennbar, dass sich Facebook wieder mehr auf seine Wurzeln besinnt und zu einem wieder eher privaten Netzwerk wird. Ob sich die vielen Redaktionen, die inzwischen bei Facebook sind, dieser Idee anpassen, wird eine interessante Beobachtung sein. Wenn nicht, dann wäre es theoretisch gut denkbar, dass Medien sich um klassischen Geschichten-Erzählen dort treffen, wo man ihnen explizit die Möglichkeit dazu gibt.

„Chats“ und Messenger werden zu Nachrichten

Kann man sich Nachrichten auch einfach „erzählen“ lassen? Dieser Idee folgen Nachrichten-App wie „Quartz“ oder „Resi“. Sie liefern nicht einfach getextete Nachrichten, sondern lassen den User in Chats entscheiden, ob er etwas von einer Nachricht wissen will – und wie viel. In den USA laufen Apps wie „Quartz“ bereits richtig gut. Ob das auch in Deutschland zu einer neuen und akzeptierten Form des Nachrichten-Konsums wird, muss man abwarten. Genauso wie die Nachrichten, die über einen Messenger kommen. Sowohl Whatsapp als auch der Facebook Messenger bieten schon jetzt oder zumindest in Bälde die Möglichkeit, dass über sie Inhalte verschickt werden. Mit WhatsApp haben speziell im vergangenen Jahr viele Redaktionen zumindest experimentiert. Aktuell ist es allerdings um das Thema wieder etwas ruhiger geworden.

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