Medienwandel 13. Mai 2016

Der Podcast-Boom: So geht´s!

by Christian Jakubetz

Es ist das, was man im Szenenjargon gerne mal den nächsten „heißen Scheiß“ nennt: Podcasts sind aktuell so en vogue wie noch nie, seit es sie gibt – und das sind mittlerweile schon gute zehn Jahre.

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Mikro an: Podcasts erleben gerade eine echte Renaissance. (Foto: Jakubetz)

Was zeigt, wie unterschiedlich Dinge im Laufe der Digital-Jahre bewertet werden: Zu Beginn der „Nuller-Jahre“ galten sie als Medium und Radio der Zukunft, danach gerieten sie beinahe weder in Vergessenheit. Und jetzt? Bauen sogar Blätter wie die „New York Times“ eigene Podcast-Redaktionen auf.  Müssen wir jetzt also alle wieder podcasten? Das vielleicht nicht. Aber es schadet nicht, sich zumindest mit dem Thema zu beschäftigen. Und eine Ahnung davon zu haben, was einen guten Podcast ausmacht.

Die freie Journalistin Sara Weber ist eine, für die Podcasts zur Leidenschaft geworden sind. Was damit zusammenhängt, dass sie sich viel in ihrer zweiten Heimat USA aufhält. Und dort hat der Podcast schon deutlich vor uns seine Wiederkehr gefeiert. Nirgendwo ist die Auswahl hochwertiger Produktionen so hoch wie dort. Natürlich kann man immer noch, wie es in Deutschland häufig noch der Fall ist, ein paar liebenswert-nette Amateur-Produktionen bekommen. Der Unterschied zur Podcaster-Szene hierzulande: Die Zahl hochwertiger und aufwändig produzierter Podcasts nimmt ständig zu. Was auch zur Folge hat, dass sie inzwischen auch eine ernsthafte Möglichkeit zum Geld verdienen geworden sind.

Während also in den USA die meisten Medienhäuser mit Hochdruck an der Entwicklung eigener Podcasts arbeiten, handelt es sich in Deutschland immer noch um eine Art Recycling-Station. Gerade die Medienunternehmen machen vergleichsweise wenig, Radiosender stellen oft nur bereits gesendetes Material zur Verfügung.

Dabei, so sagt Sara Weber, lägen die Vorteile des Podcastings auf der Hand:  es gibt keine Zeitlimits, man braucht keine eigene, große Programmpalette, man kann Nischenthemen bedienen und gibt nur wenige Zugangshürden – jeder also kann podcasten. Allerdings nicht gleich gut. Ein paar Dinge sollte man schon beherzigen. Sara Weber spricht von vier „Learnings“, die man aus dem Podcast-Boom in den USA mitnehmen kann:

  • Storytelling: Natürlich kann man sich, wie das in Deutschland immer noch häufig der Fall ist, einfach vor ein Mikro setzen und drauf los plaudern.  Aber schöner ist es schon, wenn man eine gute Geschichte zu erzählen hat…
  • Sound,professionelle Produktion: Die Ansprüche des Publikums sind gewachsen. Es muss nicht gleich ein Radiostudio sein, aber mal eben in die Diktierfunktion  des Smartphones quasseln ist auch ein bisschen wenig.
  • Hosts: persönlich,authentisch, interessiert – so beschreibt Sara Weber die Erfahrungen aus den USA. Sprich: Die Persönlichkeit eines Gastgebers spielt eine entscheidende Rolle. Wobei es durchaus ein Unterschied im Rollenverständnis ist, ob man heute nur Moderator von irgendwas ist – oder eben wirklich ein „Gastgeber“.
  • Trial and error: In den USA ist dieser Gedanke immer noch weiter verbreitet als bei uns – man probiert mal etwas aus und lässt es bleiben, wenn es nicht wirklich funktioniert. Manchmal gibt es von einem Podcast nur eine Staffel…

Eine gute  Nachricht hat Sara Weber aus den USA auch mitgebracht: Man kann mit guten Podcasts inzwischen Geld verdienen. Memerships, klassische Anzeigen, gesponserter oder gebrandeter Content sind die bisher populärsten Methoden dazu.

Comments 1
  • Klasse! Die Erstellung von Podcasts gehört in die Grundausbildung jedes modernen Journalisten; genauso wie die Kenntnis von unterschiedlichen Farbräumen ;-). Da leider die Ausbildung dank veralteter Strukturen den Erfordernissen etwas hinterher hinkt hier ein Hinweis auf ein kurzes Tutorial zur Erstellung von Audio-Dateien ( http://j.mp/1rKCCsx ).

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