Allgemein, Social Media 18. Dezember 2015

Medien nehmen bitte den Lieferanteneingang

by Christian Jakubetz

Der Trend ist unübersehbar: Auch klassische Medien wandern zunehmend mehr ins soziale Netz. Die Strategie der Marktführer ist eindeutig – sie wollen so viel Journalismus wie möglich unmittelbar auf ihre Plattformen holen. Werden klassische Medien künftig auf die Rolle des Zulieferers reduziert?

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Demnächst bei verifizierten Seiten: die Livestreaming-Funktion bei Facebook. (Foto: Facebook)

Es ist keine Überraschung mehr – weil schon seit längerem angekündigt: Facebook hat inzwischen damit begonnen, für verifizierte Seiten die Livestreaming-Funktion freizuschalten. Die Prognose ist also nicht gewagt, dass es nicht lange dauern wird, bis die ersten Redaktionen und Journalisten in Deutschland sich „live bei Facebook“ melden. Bei „Periscope“ tun sie das ja inzwischen auch in schöner Regelmäßigkeit.

Vermutlich also war das der wichtigste Trend des nunmehr fast zurückliegenden Medien-Jahres: Zunehmend mehr und öfter wandern journalistische Inhalte in soziale Netzwerke. Vor allem: originäre Inhalte. Solche also, die man auf den eigentlichen Kanälen der Redaktionen sonst gar nicht zu sehen bekommt. Das ist schon alleine deswegen ein Paradigmenwechsel, weil man vielerorts lange Zeit davon ausgegangen war, dass man soziale Netzwerke bestenfalls zum anteasern eigener Beiträge verwenden kann.

Die Zeiten der Linkschleudern sind vorbei

Facebook und Twitter als Linkschleudern? Es war einmal. Inzwischen ahmen Facebook und Twitter erfolgreiche eine Strategie nach, die YouTube schon länger erfolgreich fährt: Eigene Inhalte laufen dort weitaus besser als nur das ebenfalls dort hochgeladene Material von Produktionen, die es schon mal woanders gab. Immerhin ist „YouTuber“ inzwischen so eine Art eigene Berufsbezeichnung geworden und selbst öffentlich-rechtliche Sender wie der WDR versuchen sich mit eigenen Formaten dort. Wenn auch mit überschaubarem Erfolg.

Bei Facebook haben sich im zurückliegenden Jahren viele Ideen darauf konzentriert, zunehmend auch ein eigenes Medium mit eigenen Inhalten zu werden. Neben dem demnächst startenden Livestreaming waren auch die „Instant Articles“ ein großer Schritt in diese Richtung. Diese multimedialen Geschichten liefern renommierte Partner exklusiv für Facebook zu; der Erlös wird geteilt. In Deutschland hat Facebook dafür immerhin den „Spiegel“ und die „Bild“ an Land gezogen. In den USA sind so renommierten Partner wie die „New York Times“ dabei.

Auffällig ist auch, wie sehr der „Edgerank“ des Netzwerks Videos bevorzugt, die nicht aus einer anderen Quelle verlinkt oder eingebunden, sondern originär hochgeladen werden. Ein weiterer kleiner Mosaikstein in der Strategie, eigene und hochwertige Inhalte anzubieten. Was aus Sicht des Unternehmens und seines Masterminds Mark Zuckerberg nur logisch ist: Wenn man so eine Art digitale Weltherrschaft anstrebt, dann braucht man natürlich auch die entsprechenden Inhalte.

Das ist auch aus User-Sicht eine notwendige Geschichte. Und eine, die sie immer häufiger im Sinne der Netzwerke nutzen. Wie so oft, sind die USA mal wieder Vorreiter: Dort holen sich mittlerweile bereits 63 Prozent ihre Nachrichten direkt aus Facebook und Twitter.

Aber auch in Deutschland ist absehbar, dass dieses Verhalten zum Mainstream wird. Bei den 14-29Jährigen sagen schon heute 61 Prozent, dass sie ihre Nachrichten am Tag zuvor (auch, nicht ausschließlich) bei Facebook konsumiert haben. An zweiter Stelle kommt in Deutschland demnach übrigens YouTube. Was man auch als schönen Beleg für die Theorie verwenden kann, dass sich der Medienkonsum in Zukunft sehr stark mobil, mit Bewegtbild und auf sozialen Netzwerken abspielen wird.

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