Medienwandel 18. Februar 2015

Die Welt ist eine (Glas-)Scheibe

by Christian Jakubetz

Das Netz ist bei den jüngeren Mediennutzern inzwischen der Kanal Nummer eins geworden. Und es ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Aussage auch auf den Rest zutrifft. So oder so: neue Zahlen und Studien zeigen, wie weit der Medienwandel inzwischen bereits fortgeschritten ist.

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Ab ins Netz – was sonst? Die Mediennutzung verändert sich. Kinder und Jugendliche sind dabei schon jetzt die meiste Zeit in digitalen Welten anzutreffen. (Helene Souza/pixelio.de)

 

Ganz egal, ob es um Zeitungen geht, um Radio oder um Fernsehen – die Digitalisierung ändert alles. Der Medienwandel geht unverändert weiter. Und wenn man sich ein paar Zahlen und Entwicklungen ansieht, dann stellt man schnell fest, dass der eigentlich radikale Umbruch erst noch bevorsteht. Weil es immer noch genügend analoge Medien und Strukturen gibt, die sich als stabil erweisen. Weil das jüngere Publikum mit seinen extrem veränderten Gewohnheiten erst allmählich auch statistisch relevant wird. Und weil, das nicht zuletzt, es immer lange dauert, bis die Entwicklungen einer kleinen Avantgarde Ihren Niederschlag auch in der breiten Masse finden.

Ein schönes Beispiel für diese Theorie ist das Thema Fernsehen und Internet. Nimmt man die Altersgruppe der 14- bis 59jährigen und die Zahl ihrer sogenannten Brutto-Kontakte als Grundlage, dann lässt sich mühelos die Aussage treffen, dass lineares TV und Netz immer noch bei der Mediennutzung beinahe gleichauf liegen. Nimmt man dagegen die 14-bis 29jährigen als Maßstab, dann liegt das Internet ganz eindeutig vorne. Eine kleine Zahlenspielerei, die symptomatisch ist für den aktuellen Stand des Medienwandels. In absoluten Zahlen und über die gesamte Nutzerschaft hinweg betrachtet, schneiden traditionell-analoge Medien nicht schlecht ab. Die eigentliche Bedrohung und der eigentliche Wandel liegen also nicht im hier und heute – sondern in der Zukunft. Weil sich dort die Waage extrem den neuen, digitalen Medien zuneigt.

Zum Vergleich: Die meist genutzten Medien auf Basis der Brutto-Kontakte sind laut aktueller IP-Deutschland-Studie TV mit 41 Prozent und das Netz mit 39 Prozent. Solange man die 14-59jährigen fragt. Bei den 14-29jährigen ist hingegen der Vorsprung des Netzes mit 56 Prozent (im Vergleich: TV kommt auf 34 Prozent) bereits exorbitant – und de facto auch nicht mehr einholbar. Was wiederum bedeutet: Die aktuell laufenden Wandlungen und Verwerfungen sind unumkehrbar. Besonders bitter für Printmedien übrigens: In der täglichen Nutzung bei den 14-29jährigen spielen sie nur noch eine maximal untergeordnete Rolle.

Auch eine andere Untersuchung zeigt auf, wie weit fortgeschritten der Wandel inzwischen ist. Weil sie zum einen auf einer anderen Idee basiert als die reine Umfrage danach, welches momentan das bevorzugte Medium ist. Und weil sie vor allem auch die Nachhaltigkeit zeigt, mit der dieser Wandel voran schreitet. Netzökonom Holger Schmidt hat in seinem Blog die Zahlen der ACTA-Studie des Allensbach-Instituts aus den letzten 10 Jahren miteinander verglichen. Und auch sie kommen zu einem ganz eindeutigen Ergebnis: Das Netz ist unaufhaltsam auf dem Weg zum Informationsmedium Nummer 1.

Am härtesten trifft dieser Trend – keine echte Überraschung – Zeitungen und Zeitschriften. Bei ihnen geht die Bedeutung quer durch alle Bevölkerungsschichten und alle Altersgruppen konstant nach unten. Ihre sogenannte „harte“ Auflage geht konstant zurück, ebenso wie die Erlöse in allen Bereichen. Im selben Maß steigt die Bedeutung des Netzes als Quelle der täglichen Information weiterhin rapide und konstant an.

Comments 1
  • Hallo Herr Jakubetz,
    die Zahlen überraschen mich (überhaupt) nicht mehr. Die Mediennutzung wird weiter in Richtung Internet gehen, das ist völlig klar.
    Hätten Sie Interesse an einem Beitrag zum Thema Reflexion vs. Suggestion? Ich bin Journalist und Medienberater und war lange Jahre in Redaktionen und im Verlagsmanagement tätig.
    Viele Grüße aus Augsburg,
    Roman Leuthner

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