Meinung 13. Februar 2015

Die ersten Abgesänge: Was wir 2015 alles vergessen können

by Christian Jakubetz

Normal sind in dieser Branche ja eher Prophezeiungen, was alles kommen wird. Weil im digitalen Zeitalter sich die Dinge aber rasant wandeln, drehen wir heute den Spieß einfach mal um – und sagen voraus, wovon sich Journalisten im Jahr 2015 langsam verabschieden sollten…

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Ihre besten Zeiten dürften News-Apps hinter sich haben.

 

News-Apps

Ja, das waren noch Zeiten: Als man mit Smartphones in wackligen, langsamen und gelegentlich auch noch ganz schön teuren Netzen unterwegs war. Als man langsam entdeckte, dass man Nachrichten auch ganz ordentlich unterwegs auf dem Handy konsumieren kann. Da waren sie tatsächlich eine überaus nützliche Angelegenheit: News-Apps, die es schlagartig von nahezu jedem relevanten Anbieter gab. Vor allem ihr Offline-Modus war angesichts der eingangs beschriebenen Netz-Unzulänglichkeiten eine gute Sache.

Nachrichten für unterwegs, das klingt heute irgendwie so nach 2007. Im Zeitalter von Flatrates, LTE-Netzen und vor allem sozialen Netzwerken ist der Gedanke ziemlich überholt, dass man sich seine Festplatte und seinen Screen vollpflastert mit Apps, auf denen man möglicherweise auch offline Nachrichten lesen kann. Ganz davon abgesehen, dass inzwischen nahezu jeder handelsübliche Browser solche Funktionen anbietet (und wer die nicht mag oder findet, kann sich inzwischen Dutzende Erweiterungen installieren). Kurzum: Die News-App als solche hatte in den Gründertagen des Smartphones seine Berechtigung. Heute braucht sie niemand mehr. Zumindest nicht in der Form, in der sie immer noch häufig angeboten werden.

Neben dem eher unschönen Aspekt, dass man als regelmäßiger Nutzer von drei oder vier Nachrichtenseiten demzufolge auch drei oder vier News-Apps installieren müsste, kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Nachrichten werden mehr und mehr über soziale Netzwerke verbreitet und dort auch entsprechend geteilt und kommentiert. Ganz simpel ausgedrückt: Wer in einem sozialen Netzwerk vertreten ist, braucht die News-App nicht mehr.

Dritter und letzter Punkt: Die Hersteller von Smartphones lassen sich Speicherplatz immer noch vergleichsweise teuer bezahlen. Beim aktuellen iPhone beispielsweise kosten die größeren Speicherkapzitäten beispielsweise jeweils 100 Euro mehr. Wenn also Speicher teuer und Zeit im mobilen Netz vergleichsweise günstig ist, warum dann News-Apps? Das Lesegerät der Zukunft ist also ein ganz altes und bewährtes: der Browser.

Tablets

Gerade mal fünf Jahre alt und fast schon wieder überholt: das Tablet dürfte dann doch nur ein Übergangsgerät gewesen sein. Die Prognosen für die Verkaufszahlen gehen jedenfalls ziemlich nach unten. Zudem ist nicht auszuschließen, dass die Geschichte dieser Gerätegattung schon wieder auserwählt ist. Die Neuentwicklungen der Geräte haben hauptsächlich mit Gewicht und Display und ein paar Details zu tun; wirklich innovativ und aufregend war aber schon lange nichts mehr. Gerade im jüngeren Publikum sind Tablets nicht sonderlich attraktiv. Deren Gerät ist eindeutig das Smartphone. Vor allem, seit es die Zwittergattung des „Phablets“ gibt, sind die Perspektiven des Tablets nochmals schlechter geworden. Ein richtiges Mobil-Gerät war es ja ohnehin nie. Und wenn „Phablets“ ohnehin das können, was Tablets auch machen – warum soll man sich dann noch ein sperriges Zweitgerät zulegen? Die guten Zeiten des Tablets könnten also schon wieder vorbei sein.

Gebaute Beiträge

Auch das ist so ein Relikt aus vergangenen Tagen: Audio- und Videobeiträge fürs Netz, die so aussehen bzw. sich anhören wie Beiträge aus Radio oder TV. Webvideos und auch Audios haben sich mit eigenen Darstellungsformen von den analogen Vorbildern emanzipiert. Inzwischen bieten sich gerade im Videobereich so viele originäre Darstellungsformen, dass sich der klassische am TV orientierte Beitrag überlebt hat. Videos kann man heute in der ganzen kurzen Loop-Variante ebenso machen als Zeitraffer-Beitrag oder auch in ganz langen Interview-Formen. Und wer sich heute den typischen Podcast anhört, der stellt schnell fest, dass auch da der „gebaute“ Beitrag eher selten vorkommt. Zwar bedeutet das noch nicht, dass die Entwicklung der AV-beiträge fürs Netz schon an ihr Ende gekommen ist. Trotzdem: Der gebaute Beitrag kann ab ins Museum.

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