Webvideos 10. Februar 2015

Warum kein Journalist mehr an Videos vorbeikommt

by Christian Jakubetz

Kaum eine Darstellungsform hat in den letzten Jahren eine derart rasante Veränderungen erlebt wie das bewegte Bild. Nicht nur, dass es den Sprung vom TV zu einem festen Bestandteil journalistischer Angebote im Netz geschafft hat. Und nicht nur, dass es sich als „Webvideo“ und eigene Gattung auch vom TV emanzipiert hat und inzwischen eben keinesfalls nur „TV im Netz“ ist. Inzwischen erobert es auch seinen Platz in dem, was wir momentan noch „Echtzeitberichterstattung“ nennen (und was irgendwann mal hoffentlich einen etwas weniger sperrigen Namen bekommt).

Exemplarisch dafür steht eine Funktion, die „Twitter“ jetzt in seine App integriert hat: ein Aufnahmebutton für Videos von einer Länge von maximal 30 Sekunden. Das ist nicht spektakulär und wirklich neu ist das auch nicht. Spätestens seit dem verblüffenden Erfolg von „Vine“ weiß man, dass unmittelbar auf dem Smartphone und de facto nicht editierte (Bewegt)-Bilder ihren Platz und wohl auch ihren Nutzen im Netz haben. Auch „Instagram“ zog vergleichsweise schnell nach und integrierte bald nach dem Durchbruch von „Vine“ eine Videofunktion, die immerhin schon 15 Sekunden erlaubt. Dass ausgerechnet das ansonsten sehr auf Knappheit ausgelegte „Twitter“ jetzt mit 30 Sekunden die längste Videodauer anbietet, hat eine gewisse Ironie. Es zeigt aber auch anderes: Ganz egal, in welchem Umfeld man sich im Netz bewegt, Video ist inzwischen ein fester Bestandteil von ungefähr allem. Dabei kann man an der Umsetzung der Funktion bei Twitter sicher das eine oder andere kritisieren (Sandra Sperber hat hier einen umfangreichen Test gemacht), klar aber ist: Das, was wir momentan noch unter den Schlagworten „Mobile Reporting“, „Echtzeitjourmalismus“ und „Breaking News“ subsumieren, wird künftig immer auch von der Komponente Video mitgeprägt. Möglicherweise – die Prognose ist nicht mal allzu gewagt – wird das Thema Video sogar das Wichtigste sein.

Klar ist aber angesichts dessen, dass auch in den sozialen Netzwerken gerade ein Paradigmenwechsel vor sich geht. Das Netzwerk „Instagram“ steht exemplarisch dafür: Gerade bei einem jüngeren Publikum werden textlastige Postings zunehmend abgelöst vom schnell und dennoch hochwertig gemachten Fotos oder Videos. Wenn man so will, dann ist die mediale Welt durch das Netz insbesondere sehr viel visueller geworden. Was wiederum damit zusammenhängt, dass Bewegtbildproduktion noch nie so einfach, schnell und mobil war. Kurz gesagt: Knopfdruck genügt…

Videokanäle für Journalisten im Überblick

YouTube: Immer noch der Klassiker. Etliche Redaktionen und freie Journalisten bedienen sich dieses Kanals. Inzwischen gibt es sogar die halbamtliche Berufsbezeichnung des „YouTubers“. Davon abgesehen ist „YouTube“ zwangsweise auch der Kanal, auf dem die Aufzeichnungen von Google-Hangouts zu sehen sind. Nebenbei bemerkt sind ja auch Hangouts inzwischen zu einem durchaus populären Bewegtbild-Mittel geworden. Der Vorteil des Kanals ist die Popularität und seine damit verbundene potentielle hohe Reichweite. Was gleichzeitig auch sein größter Nachteil ist. Bei den gefühlten Millionen Videos, die dort jeden Tag neu hinzukommen, ist es nicht so ganz einfach, angemessene Aufmerksamkeit zu bekommen.

Vimeo: Die Edel-Variante von YouTube. Sowohl, was die technische als auch die inhaltliche Qualität angeht. Cat-Content findet sich dort eher nicht, die Plattform richtet sich explizit an diejenigen, die Videos als eine ernste Sache ansehen. Als dort publizierender Journalist bekommt man potentiell eine aufmerksame und gute Community, allerdings eben auch eine vergleichsweise kleine. Was wiederum wettgemacht wird dadurch, dass die Videos dort in weitaus besserer Qualität ausgespielt werden können als bei YouTube. Der Free-Account ist allerdings limitiert, unbegrenzten Webspace bekommt man nur bei einem kostenpflichtigen Account.

Instagram: Instagram war mal eine mobile Fotocommunity. Inzwischen hat Facebook Instagram geschluckt und macht daraus konsequent so eine Art nächstes Facebook. In schneller, visueller, hipper, schöner. Tatsächlich ist Instagram inzwischen zu einer Art sozialem Netzwerk mit angeschlossener Video- und Fotocommunity geworden. Mit seinen 15-Sekündern hat Instagram tatsächlich eine neue Bewegtbildform kreiert.  Und in den Sprachgebrauch ist Instagram auch schon eingegangen – wer ein Foto von seinem Essen macht, der „instagramt“ es.Inzwischen mit so vielen Mitgliedern und so hoher Reichweite, dass es auch für Journalisten ein interessanter Kanal ist.

Vine: Die Pioniere des Mini-Videos. 6 Sekunden, mehr geht nicht – das war von Anfang an das Motto der Plattform, das man – zugegeben-  erst mal verstehen musste. Und wie das oft so ist mit Pionieren: Die adaptierte Idee wurde dann erst von anderen salonfähig und interessant gemacht (siehe auch: Instagram). Die Idee ist immer noch da, Vine auch – aber den Massenmarkt erobern gerade andere für sich. Zumal man sich auch heute noch darüber streiten kann, ob sechs Sekunden nicht tatsächlich etwas arg knapp bemessen sind.

Twitter: Twitter? Ist das nicht dieses 140-Zeichen-Dings? Stimmt. Aber seit neuestem eben ein 140-Zeichen-Dings mit integrierter Videofunktion. Wer die twittereigene App auf dem Smartphone nutzt, hat inzwischen einen Videobutton, mit dem sich Videos in einer Länge von 30 Sekunden mühelos aufnehmen und veröffentlichen lassen. Twitter zwingt seine Nutzer allerdings zum Hochformat, was den Puristen unter den Videofilmen vermutlich eher sauer aufstoßen dürfte. Viel wichtiger aber ist: Spätestens mit Twitter ist die einfache, mobile Echtzeit-Videofunktion auch da angekommen, wo Journalisten bevorzugt mobile Berichterstattung betreiben.

Comments 1
  • siehe youtube Kanal seit 2007 schreibe ich im Netz – Berichte garniert mit diversen youtube Kanälen – über 1Mio Klicks – an die 2000 Videos – ich erstelle praktisch ein Skizzenheft in bewegten Bildern mit Ton – unabhängig und unzensiert – die Qualität hat sich mit der Entwicklung der Technik spürbar verbessert – heute kann ich mit wenig technischen Aufwand hochwertige Videos zu tagesaktuellen Themen fast in Echtzeit liefern – die normale Presse bei uns der DK braucht noch 2 Tage – entsprechend hoch sind die Klickzahlen auf meinen „Künstler“ Kanälen – an die 50% Handyuser zwingen zu schlanken Berichten – 300 Wörter max schnelle Bildergalerie und natürlich ein Video – mehr ist nicht mehr gefragt – wie das zu finanzieren ist ? Selbstausbeutung, Werbung, Sponsoring, Koppelung zu Print – Ich wünsche Ihnen ein schönes Leben – Mit goldenem Gruß Manfred Habl

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