Digitales Leben 3. November 2014

Deutsche Welle: Geschichten aus dem verlinkten Leben

by Christian Jakubetz

Wie erzählt man im digitalen Journalismus eine Geschichte transmedial? Und, noch weitergehende Frage: Wie baut man möglicherweise eine ganze Redaktion so auf, dass sie nicht nur ein Medium bespielt und danach noch ein paar Plattformen im Netz zur Marken-Verlängerung nutzt? Ein neues Projekt der Deutschen Welle versucht sich gerade daran: “Life Links” erzählt Geschichten da, wo sie gerade stattfinden.

Das Thema Drogen bildet den Schwerpunkt der zweiten Ausgabe von "Life Links". (Foto: Deutsche Welle)
Das Thema Drogen bildet den Schwerpunkt der zweiten Ausgabe von „Life Links“. (Foto: Deutsche Welle)

 

In einer 360-Grad-Welt ist das Thema auf allen Kanälen präsent. Das Besondere und gleichzeitig Schwierige daran: Die Inhalte sollen nicht einfach nur in zusätzliche Kanäle hinein kopiert werden, sondern da, wo sie gerade stattfinden, auch tatsächlich den besonderen Umständen und Anforderungen angepasst sein.

Aber der Reihe nach: “Life Links ist ein konsequent multimedial angelegtes Projekt, an dessen Entwicklung die Zuschauer und Nutzer mitwirken. Ideenfindung, Recherche, Produktion und Ausstrahlung sind bei Life Links interaktive Prozesse, die auf der Webseite www.dw.de/lifelinks zusammenlaufen. Nutzer können ihre eigenen Geschichten erzählen und durch Abstimmung Themen in die Sendung bringen.” So beschreibt die “Welle” ihr neues Projekt, von dem mittlerweile zwei Folgen gesendet worden sind. Das bedeutet zunächst, das TV und Netz ein absolut gleichberechtigetes Dasein führen – das Netz ist also keineswegs nur die Verlängerung eines TV-Formats.

Die Geschichte

Drei auf den ersten Blick voneinander unabhängige Schicksale – bei “Life links” werden sie zusammen geführt. Diese drei Geschichten sollen am Ende zeigen, wie junge Menschen von verschiedenen Kontinenten mit ähnlich gelagerten Problemen umgehen. „What holds you back?“, ist die Kernfrage des gesamten Formates, auf die jede Folge eine andere Antwort findet.

Konkret: Die erste Folge unter dem Titel #WhoAmI – Finding myself geht der Frage nach, was eine Nordkoreanerin in Südkorea mit einer Roma in Paris und einem deutschen Rapper mit ägyptischen Eltern daran hindert, ihre Persönlichkeit frei zu entfalten. In der zweiten Folge sind es Drogen, die eine junge Bolivianerin, ein junger Deutscher und eine junge Finnin daran hindern so zu sein, wie sie sein wollen: Gilda würde eigentlich lieber Lehrerin werden, muss aber Coca-Blätter pflücken, um ihre Familie zu unterstützen. Dominik hat schon als Teenager angefangen, Drogen zu nehmen – und ist letztendlich wegen Körperverletzung im Gefängnis gelandet. Und Emma war Alkoholikerin und versucht nun trocken zu bleiben – in einer Umgebung, in der Betrunken Sein normal ist.

Am Ende, so hofft man bei der Deutschen Welle, steht eine “globale Erzählung”.

 

Interaktion und Themenfindung

 

Digitaler Journalismus – das heißt mittlerweile in fast allen Fällen auch: Interaktion und Partizipation. Auch bei “Life links” können User “ihre” Sendung von Anfang an mitsteuern und begleiten. Sei es bei der Themenfindung, sei es mit eigenen Geschichten. Durch die Präsenz auf Plattformen wie Twitter, Instagram und Facebook können User das Entstehen der jeweils aktuellen Sendung quasi in Echtzeit begleiten – und gleichzeitig auch wieder jederzeit Einfluss nehmen darauf, was dann im Ergebnis stehen wird.

Das Netz

Man kennt das von vergleichsweise vielen TV-Formaten: Im Netz gibt es noch ein paar Zusatzinfos zur Sendung und mit etwas Glück kann man sich die aktuelle Ausgabe der Sendung auch nochmal ansehen. Der Ansatz von “Life Links” ist dagegen ein anderer: Das Netz ist nicht einfach ein Ort, an dem Bekanntes nochmal wiederholt wird. Sondern einer, bei dem es sich lohnen soll, extra dorthin zu kommen. Deswegen gibt es dort ungesendetes Material, vertiefende Informationen und zusätzliche Fakten.

Zentraler Bestandteil der Seite ist auch ein anderes Feature: der“Social Stream”. Dort kommt zusammen, was in den Weiten des Netzes manchmal ein wenig auseinanderläuft: Der Stream bündelt die Kommentare der Nutzer zu dem Hashtag der Sendung. Über das Mobilangebot kann der Film auch auf einem Second Screen kommentiert werden. Keine völlig neue Idee, aber eine konsequente Umsetzung dessen, was Fernsehen im digitalen Zeitalter ausmacht.

Sendungslogo Life Links
(Foto: Deutsche Welle)
Zusammengefasst

Alles in allem: “Life Links” ist ein Projekt, das ein bisschen wie aus dem Lehrbuch des transmedialen Journalismus klingt. Das jeweilige Thema ist eben nicht einfach nur eine Geschichte, die im TV erzählt und im Netz ein bisschen vertieft. Stattdessen setzt das Format auf alles, was momentan als die Zukunft der digitalen Medien gehandelt wird. Interaktion, Echtzeit-Journalismus, 360-Grad-Welten, soziale Netzwerke, mobile Plattformen. Und: sehr präzise zugeschnitten auf eine Zielgruppe.

Wer also wissen will, wie das mit diesem transmedialen Journalismus geht – anschauen:

dw.de/lifelinks

twitter.com/dw_lifelinks

facebook.com/dw.lifelinks

instagram.com/dw_lifelinks

soundcloud.com/dw_lifelinks

vimeo.com/dwlifelinks

Die nächste Folge zum Hashtag #dealwithme läuft am 15.11.2014 um 2.30 UTC auf DW TV und als Livestream auf der Website.

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