Mobile 22. August 2014

Tablet-Journalismus: Visuell und interaktiv, bitte!

by Christian Jakubetz

Eigentlich müsste das neue Endgerät auch für einen neuen Journalismus sorgen: Tablets stellen Redaktionen und Journalisten vor völlig neue Herausforderungen. Bisher allerdings scheint es mehr Fragen als Antworten zu geben. Dabei drängt die Zeit: Schon heute sind die kleinen Flachcomputer die meistverkaufte Gerätegattung..

Das Gerät der Zukunft: Schon heute werden mehr Tablets als andere Computer verkauft. (Foto: Jakubetz)
Das Gerät der Zukunft: Schon heute werden mehr Tablets als andere Computer verkauft. (Foto: Jakubetz)

Tablets sind weitaus mehr als kleine, handliche Computer. Oder Lesegeräte.  Angesichts der rasanten Entwicklung dieser Gerätegattung ist es nicht vermessen zu sagen: Auf den Tablets wird womöglich die Zukunft des Journalismus entschieden. Weil sie in nicht allzu weit entfernter Zeit die Geräte sind, auf denen Medieninhalte am häufigsten konsumiert werden. Weil sie alles sein können: Fernseher, Radio, Webbrowser und manchmal natürlich auch einfach ein Lesegerät. Schon im vergangenen Jahr waren sie die meistverkaufte Art von Computern. Bis 2018 soll ihre Zahl weltweit bei den Neuverkäufen rund dreimal so hoch sein wie bei Desktop-PCs und doppelt so hoch wie bei Notebooks.

Statistik: Prognose zum Absatz von Tablets, Laptops und Desktop-PCs weltweit von 2010 bis 2018 (in Millionen Stück) | Statista
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Dabei geht es für den Journalismus allerdings nicht nur um die blanke Zahl. Und auch nicht darum, dass es jetzt eben mal ein Gerät mehr gibt, auf dem man Journalismus konsumieren (und, auch das: produzieren) könnte. Tablets erfordern auch neue Darstellungsformen. Solche, die den Spezifika dieser Gattung gerecht werden. Zwar gibt es inzwischen aus fast jedem deutschen Medienhaus Apps, mit denen die eigenen Inhalte konsumiert werden können. Von einem eigenen, spezifischen „Tablet-Journalismus“ sind die meisten Angebote aber noch ein gutes Stück entfernt. Sieht man mal von großen Angeboten wie dem „Spiegel“, „Bild“ oder der „Zeit“ ab, sind eigene „Tablet-Redaktionen“ immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Vorwiegend werden die bereits bestehenden Angebote immer noch nahezu unverändert in eine App gehoben. Und auch eine schlichte PDF-Ausgabe der Tageszeitung gehört immer noch zu den Standards. Selbst ein großes Blatt wie die FAZ ist lediglich als PDF zu bekommen.

Auch, wenn man naturgemäß noch nicht allzu viel darüber weiß, wie Menschen Journalismus auf dem Tablet konsumieren wollen:“You must keep the Finger happy“, schrieb das renommierte Poyntner-Institut schon vor Jahresfrist. Tablet-Journalismus müsste also vor allem mehreres sein:

  • interaktiv
  • multimedial
  • visuell
  • tiefgründig

Doch genau in dieser Fülle von Möglichkeiten liegen auch die Stolpersteine für den Tablet-Journalismus (wie im Übrigen auch für die in letzter Zeit sehr populär gewordenen Scroll-Reportagen). Wo sind beispielsweise Videos gute inhaltliche Ergänzungen zu einem Text, wo unterbrechen sie möglicherweise nur den Lesefluss? Was ist wirklich sinnvolle Interaktion und was ist möglicherweise einfach nur Spielerei? Wie weit müssen die verschiedenen Inhalte eigenständig verständlich sein und wie weit darf die Verknüpfung gehen, wie sehr kann man vom Nutzer erwarten, dass er tatsächlich alle angebotenen Inhalte konsumiert? Und wenn er es nicht tut, inwieweit dürfen Inhalte dann redundant sein?

Viele Fragen – auf die der Journalismus in Deutschland bisher noch nicht sehr viele Antworten gefunden hat. Dafür tun sich bei der Entwicklung solcher Formate tendenziell eher Unternehmen hervor, wie Mathis Vogel in einem Beitrag für das Goethe-Institut schreibt.

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