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Wenn Zeitungen kürzen und streichen – dann trifft es Lokalredaktionen am meisten. Zudem ist die Konzentration am Zeitungsmarkt an einem Höchststand angekommen. Zu diesem Ergebnis kommt das Dortmunder FORMATT-Institut in seiner neusten Untersuchung.

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Wenn es um den Begriff Zeitungskrise geht, dann bleiben die Formulierungen meistens sehr allgemein. Häufig wird dann gerne auch mal vom Zeitungssterben als solches gesprochen. Und darüber diskutiert, ob es denn überhaupt so weit kommen wird. Wie sich allerdings die Probleme der Branche aktuell in der Praxis auswirken, das wird dabei gerne ausgeblendet. der zeitungsforscher Horst Röper ist in seiner aktuellen Bestandsaufnahme zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Das sich in zwei Punkten zusammenfassen lässt:

  • Die Zeitungskrise ist gleichzeitig eine Krise des Lokaljournalismus. In den lokalen Redaktionen wird am ehesten ausgedünnt und zusammen gelegt. Die überregional agierenden Teile von Redaktionen sind von den Streichungen bisher noch am wenigsten betroffen.
  • Zeitungskrise bedeutet auch einen Rückgang an Pressevielfalt. Die Konzentration am deutschen Zeitungsmarkt ist auf ihrem Höchststand angekommen.

Zunächst einmal die nackten Zahlen, wenn es um die zunehmende Konzentration geht:

Der Marktanteil der zehn führenden Verlagsgruppen an der verkauften Auflage ist 2014 im Gesamtmarkt erneut leicht um 0,2 Prozentpunkte auf nunmehr 59,3 Prozent gestiegen, nachdem in der seit den 1970er Jahren durchgeführten Untersuchungsreihe 2012 der bis dahin höchste Wert ermittelt worden war. Damit stammt deutlich mehr als die Hälfte aller Zeitungsexemplare aus nur zehn Verlagsgruppen.

Betrachtet man nur die fünf auflagenstärksten Verlagsgruppen, wird die hohe Konzentration noch deutlicher: Allein die Top 5 der auflagenstärksten Unternehmen verkaufen 42,9 Prozent der Tagespresse in Deutschland. Dieser Wert ist allerdings gegenüber 2012 um 1,5 Prozentpunkte gesunken (2012: 44,4 %).

Bei den Abonnementzeitungen hat sich die Konzentration noch stärker als im Gesamtmarkt erhöht, nämlich um 1,7 Prozentpunkte von 34,3 Prozent auf 36 Prozent im 1. Quartal 2014. Damit kommt aktuell ein gutes Drittel der verkauften Auflage von den fünf führenden Verlagsgruppen. Der Markt der Abonnementzeitungen ist also derzeit besonders stark von Konzentrationsprozessen betroffen.

Seit Jahrzehnten ist die Konzentration im Segment der Kaufzeitungen am stärksten, hier dominiert der Springer-Konzern. Trotz sinkender Auflage der führenden Boulevardzeitung Bild entfallen auch 2014 noch mehr als drei Viertel der Verkaufsauflage auf Springer. Insgesamt decken die Top- 5-Verlage im Segment Kaufzeitungen 97,8 Prozent der Verkaufsauflage ab (2012: 97,2 %).

Die Zusammensetzung und Rangfolge der zehn auflagenstärksten Verlagsgruppen hat sich gegenüber 2012 deutlich weniger verändert als im vorherigen Untersuchungsintervall. Die gravierendste Veränderung betrifft die Axel Springer SE: Sie bleibt zwar im Gesamtmarkt trotz ihrer Verkäufe von Zeitungen die führende Verlagsgruppe, fällt aber im Segment der Abonnementzeitungen aus dem Ranking heraus.

Lokal wird am ehesten dicht gemacht

Deutschland sei ein Land mit einer sehr hohen Pressevielfalt, das hört man auf Panels aller Art immer wieder gerne. Gerade im lokalen und regionalen Bereich sei die Auswahl immer noch umfangreich. Doch das stimmt nur noch bedingt, wie Horst Röper festgestellt hat. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise hätten mittlerweile bereits 45 Prozent der dort lebenden Menschen nur noch eine Zeitung vor Ort. Auffällig ist auch, dass inzwischen auch dort, wo es formal noch zwei Titel gibt, die Inhalte identisch sind. Gerade die WAZ hat in den vergangenen Jahren mehrerer solcher Deals abgeschlossen. Die Leser bekommen zwar noch eine Zeitung aus dem Verlag und auch der Mantel bleibt erhalten. Die lokalen Inhalte aber werden vom jeweiligen örtlichen Mitbewerber zugeliefert. Diese Veränderungen haben zudem auch Einfluss auf die nackten Zahlen: Nachdem die jeweiligen lokalen Titel zwar entkernt, aber eben nicht geschlossen werden, bleibt die formale Zahl der verschiedenen Lokalausgaben bisher immer noch vergleichsweise hoch.

Klar ist jedenfalls auch anderes: Wenn es um Stellenstreichungen geht, dann sind momentan Journalisten in Lokalredaktionen am ehesten gefährdet. So gab es im Jahr 2000 noch rund 15.300 Redakteure an deutschen Tageszeitungen. Inzwischen sind es nur noch 13.000. Die meisten dieser Stellen gehen in den lokalen Einheiten verloren.

Das ganze Ausmaß der Problematik zeigt sich auch bei den Werbeeinnahmen der Tageszeitungen. Sie haben sich zwischen 2000 und 2013 mehr als halbiert: von rund 6,5 auf nunmehr knapp 3 Milliarden Euro. Zudem ist die Auflage der Blätter zwischen 2000 und 2014 von 28,5 Millionen auf 19,9 Millionen gesunken.

 

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