Digitales Leben 17. Juni 2014

Geld verdienen im Netz: Nichts genaues weiß man nicht

by Christian Jakubetz

Wie gerne bezahlen die Nutzer für Journalismus im Netz? Zahlen Sie überhaupt etwas? Eine Frage, die schon lange heftig diskutiert wird. Auch die neuesten Zahlen und Erkenntnisse geben auf diese Frage allerdings mal wieder keine eindeutige Antwort…

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Erstmal die nackten Fakten:  Demnach haben nur acht Prozent der Konsumenten von Online-News in Deutschland im vergangenen Jahr für News-Inhalte im Netz bezahlt. Die Quelle für diese Zahlen ist der  vom Reuters Institute for the Study of Journalism veröffentlichte Digital News Reports 2014. Das ist keine deutsche Besonderheit. Auch in anderen Ländern Europas liegt diese Zahl nicht sehr viel höher. Die besten Werte werden noch in Italien und Frankreich mit 13 bzw. 12 Prozent erreicht.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Dem entgegen sprechen beispielsweise Zahlen, die der Springer-Verlag jetzt für die „Welt“ und sein Angebot „Bild plus“ vorgelegt hat. Demnach bringt es beispielsweise „Bild plus“ laus IVW inzwischen auf rund 200.000 zahlende Digital-Abonennten. Hinter „Bild plus“ verbergen sich zahlungspflichtige Inhalte, die in der Basis-Version von „bild.de“ nicht enthalten sind.

Ist das jetzt viel oder wenig? Auch auf diese Frage kann man vermutlich unterschiedliche Antworten geben. Auf der einen Seite beschert „Bild plus“ der Zeitung jedes Jahr zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe. Auf der anderen Seite: „Bild“ bringt es in der Papierausgabe immer noch auf eine tägliche Auflage von rund drei Millionen Stück. Daneben schafft es die Online-Ausgabe regelmäßig auf rund 15 Millionen „unique visitors“ im Monat.  Legt man diese Zahl zugrunde, dann haben sich bisher lediglich rund 1,5 Prozent der Nutzer zu einem Zusatzabo entschlossen.

Für heftige Debatten sorgt zudem seit einigen Wochen eine umstrittene Praxis anderer Onlineangebote, insbesondere von „Focus Online“. Dort tauchen regelmäßig Meldungen auf, die von „Bild“ hinter der Paywall versteckt wurden. Meistens sind sie nur leicht modifiziert, wenn auch mit dem Quellenhinweis „Bild“. Bei Springer halten sie das für Diebstahl, „Focus Online“ hingegen sieht das als ein legitimes Vorgehen.

Bei der „Welt“ zählt die IVW rund 52.000 digitale Abonnenten. Die „Welt“ hat im April 2014 laut Springer knapp 10 Millionen „unique visitors“ verzeichnet.  Nach dieser Rechnung käme die „Welt“ gerade mal auf 0,5 Prozent zahlende Abonnenten. Auch das ist ein Wert, der zumindest einiges an Luft nach oben vermuten ließe.

Auf der anderen Seite gilt auch hier: Mit rund 50.000 zahlenden Digital-Abonnenten lassen sich jährlich Erlöse in Millionenhöhe generieren.

Auch andere große Blätter arbeiten deshalb fieberhaft an neuen Erlösmodellen. Sie müssen allerdings keineswegs so aussehen, wie sie bei Springer praktiziert werden. Die „Süddeutsche Zeitung“ beispielsweise will bis Ende des Jahres Bezahlinhalte einführen. Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger hat allerdings in mehreren Interviews schon angekündigt, dass die SZ ein eigenes Modell vorstellen wolle. Man darf gespannt sein.

 

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