Medienwandel 12. Juni 2014

Neue (Geld-)Wege zum neuen Journalismus

by Christian Jakubetz

Journalismus neu finanzieren – unabhängig vom Projekt der „Krautreporter“ ist das ein Thema, das momentan nicht nur heftig diskutiert wird. Sondern bei dem es momentan eine ganze Reihe von spannenden Ansätzen gibt. Ihnen gemein ist: Ob sie funktionieren, wissen die Macher selbst nicht genau. Aber: Sie versuchen es wenigstens…

godeepr

Am Freitag endet das Crowdfunding für das größte Projekt dieser Art, das es bislang in Deutschland gegeben hat. 900.000 Euro wollen die „Krautreporter“ einsammeln, 15.000 Unterstützer brauchen sie dazu. Sicher ist dabei nur: Es wird knapp. Das Modell: Die Unterstützer spenden einmalig 60 Euro für ein 1-Jahres-Abo (weitere Details zum Modell der „Krautreporter“ hier).

Naturgemäß war es denn auch dieses Projekt, das die Debatten in den letzten Wochen geprägt hat. Was zur Folge hat. dass andere Projekte und Ansätze ein bisschen untergingen, obwohl sie zwar vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber dennoch unterstützens- und bedenkenswert sind. Hier ein kleiner Überblick:

Brafus 2014: Brasilen, Fußball-WM 2014 – das alles abgekürzt ergibt „Brafus 2014“. Ein Projekt des Berliner Journalisten-Trios Kai Schächtele, Christian Frey und Birte Fuchs. Sie sind gemeinsam und auf eigene Faust nach Brasilien geflogen und berichten von dort aus seit der vergangenen Woche über das Leben im Land. Wichtig ist ihnen, tatsächlich die viel zitierte Geschichte hinter der Geschichte zu bringen.

Unterwegs sind sie im ganzen Land, sie nutzen dabei Journalismus für alle Sinne. Videos, Audios, Texte, Fotos – „Brafus 2014“ ist ein multimediales Projekt in des Wortes Sinne.

Die Finanzierung ist leicht erklärt: Das „Brafus“-Team geht in Vorleistung, macht diese Reportage-Reise auf vollständig eigenes Risiko, bittet dabei aber die Leser um finanzielle Unterstützung. Direkt auf der Startseite ist der jeweils aktuelle Stand der Finanzen zu sehen: geschätzte Ausgaben, tatsächliche bisherige Ausgaben, Stand der Einnahmen. Gespendet werden kann via Paypal oder per Banküberweisung.

Momentan würde die „Brafus“-Truppe bei ihrem Projekt draufzahlen: Aktueller Stand (11. Juni, 21 Uhr) liegt das Projekt mit rund 6.000 Euro im Minus.

godeepr.com: Das Prinzip ist ähnlich wie bei den „Krautreportern“. Auf „godeepr“ soll eine werbefreie Plattform für digitalen Journalismus entstehen. Nur anders. Anders heißt in diesem Fall: Das Publikum entscheidet bei jedem Themenvorschlag einzeln, ob diese Geschichte wirklich entstehen soll. Konkret: Ein Autor reicht einen Themenvorschlag und stellt ihn auf der Plattform ein. Ein Leser/User kann diesen Artikelvorschlag dann mit jeweils einem Euro unterstützen. Höhere Beträge gehen nicht, damit sichergestellt ist, dass sich nicht einzelne Personen oder gar Unternehmen Themen „kaufen“ können. Wie viel Geld für einen einzelnen Artikel zusammenkommen muss, entscheidet sich nach ähnlichen Kriterien wie beim „normalen“ Crowdfunding: Der Autor gibt einen Betrag an, den er für diesen Artikel benötigt, wobei natürlich auch eingerechnet werden kann, dass der Autor an dem Artikel auch etwas verdienen will. Erreicht der Artikel den angegebenen Betrag, wird er geschrieben und veröffentlicht.

Dabei legen die Macher der Seite Wert darauf, dass dort nicht einfach Artikel veröffentlicht werden. Autoren sollen die Unterstützung von Webdesigern etc bekommen, so dass Geschichten wirklich multimedial erzählt werden können. Auch ein anderes Prinzip des Crowdfunding: Das Ziel für einen einzelnen Artikel kann natürlich beliebig übertroffen werden. Der Autor erhält dann in jedem Fall den vollen Betrag. Wenn er also 500 Euro als Finanzierungsziel angibt und er es kommen 5000 Euro zusammen – Glückwunsch!

Im Gegensatz zu den „Krautreportern“ hat „godeepr“ keinen vorher festgelegten Autorenstamm. Grundsätzlich kann sich jeder Journalist mit Artikelvorschlägen bewerben.

 

Comments 1
Leave a comment

*

*