Digitales Leben 24. April 2014

Zahlen im Netz: Kleinvieh ist auch Mist

by Christian Jakubetz

Können Journalisten und Blogger im Netz mit Bezahl-Inhalt Geld verdienen? Honorieren die Nutzer aufwändigen Journalismus auch mit barer Münze? Nach rund vier Jahren Erfahrungen mit Micropayment fallen die Bilanzen ernüchternd aus. Trotzdem versucht ein Münchner Start-up gerade, ein neues Modell zu etablieren. Profitieren davon sollen beide Seiten: Nutzer und Anbieter…

laterpay

Ein Blog-Beitrag bei der „taz“ brachte das Thema mal wieder auf die Tagesordnung: Was ist eigentlich aus den Micropayment-Diensten geworden, die noch vor wenigen Jahren als eine mögliche Alternative zur Finanzierung gerade freier Publizisten im Netz an den Start gegangen waren? Gibt es „Flattr“ und „Kachingle“ noch, haben sie die Erwartungen erfüllt? Bei der „taz“ ist die Frage ziemlich eindeutig beantwortet: Nach einem sehr ordentlichen Start, kommen mittlerweile über Flatter nur noch Beträge rein, die ein ganz nettes Zubrot sind – für die Finanzierung einer Tageszeitung allerdings keine wirklich spürbare Rolle spielen. Konkret: Im März 2014 verdiente die „taz“ nach eigenen Angaben via „Flattr“ knapp 800 Euro.

Auch bei einem der größten deutschen Blogs, dem „Bildblog“, ist die Zahl der Zuwendungen aus Flattr kaum so, als dass man damit ambitionierten Journalismus finanzieren könnte.  Seit dem 15. April beispielsweise ist der meist-geflatterte Beitrag einer mit 58 Klicks, die meisten dieser Tage liegen irgendwo zwischen 10 und 20. Das ist im Übrigen kein Hinweis auf irgendwelche redaktionellen Probleme bei dem Watchblog – mit 58 Klicks gehört man inzwischen in Flattr-Deutschland zu den meistbezahlten Beiträgen. In vielen Blogs und Webseiten werden etliche Beiträge gar nicht mehr geflattert – und die „gut laufenden“ bringen es mal auf vier oder fünf Klicks. Kein Wunder, dass nicht wenige anfangs optimistische Setenbetreiber den Bezahl-Button wieder von ihrer Seite genommen haben.

Was wiederum zumindest eines klar macht: Mit „Flattr“ ist im Regelfall kein Blog zu finanzieren, geschweige denn eine „richtige“ Redaktion.

Zumal die „taz“ auch noch ein anderes Phänomen mit der ihr eigenen Offenheit benennt: Die Nutzer honorieren damit nicht unbedingt Beiträge, hinter denen der größte (Recherche-)Aufwand steckt. Sondern die, die ihnen gefallen. Die „taz“ nennt Flattr inzwischen spöttisch den „Häme-Button“.

Tatsächlich ist der Flattr-Butto inzwischen von zahlreichen Blogs wieder verschwunden. Darauf deutet auch hin, dass einzelne „Flatts“ inzwischen bei der „taz“ mehr wert geworden sind. Das ist quasi systemimmanent: Flattr teilt das vom Nutzer vorher festgelegte monatliche Budget strikt nach Klicks auf. Je mehr also jemanden flattert, desto weniger ist der einzelne Klick wert. Flattert jemand hingegen spürbar weniger bei gleichbleibendem Budget, deutet das darauf hin, dass er schlichtweg weniger Seiten bzw. Beiträge flattert.

Noch heftiger ist das Schicksal des Flattr-Konkurrenten „Kachingle“. Der US-Dienst sollte ebenfalls problemlos Bezahlen von Kleinstbeträgen im Netz möglich machen. In Deutschland kam „Kachingle“ nie so richtig an. Inzwischen spielt er de facto im deutschsprachigen Netz keine Rolle mehr.

Nach wie vor also hat es bisher keine Lösung gegeben, mit der freie Journalisten und Bloger ihre Arbeit wenigstens teilweise direkt von ihren Lesern finanzieren lassen können. Einen neuen Anlauf nimmt seit einigen Wochen das Münchner Start-up „LaterPay“. Der das Unternehmen unterstützende Journalist Richard Gutjahr glaubt an einen Erfolg. Weil das Unternehmen mit einem denkbar einfachen System den Nutzer nicht erst nötig, sich hinter eine wie auch immer geartete Bezahlschranke zu begeben. Stattdessen ist der jeweilige mit einem „LaterPay“-Button sofort nach zwei Klicks nutzbar. Bezahlt werden muss erst später. Nämlich dann, wenn die Gesamtsumme der monatlichen Inhalte-Einkäufe 5 Euro erreicht hat (eine präzise Beschreibung von LaterPay gibt es bei Richard Gutjahr).

Ob dieser neue Anlauf, Micropayment für Inhalte im Netz zu etablieren, funktionieren wird, muss sich allerdings noch zeigen: Der neue Dienst ist erst wenige Wochen am Start.

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