Interview 28. März 2014

Crowdfunding: Wir arbeiten, Sie zahlen…

by Christian Jakubetz

Wie finanziert sich Journalismus weiter? Eine angesichts des anhaltenden Medienwandels nach wie vor entscheidende Frage. Eine zunehmend populärere Form: Crowdfunding. Seit über einem Jahr gibt es nun eine Plattform, die sich ausschließlich auf die Finanzierung journalistischer Projekte spezialisiert hat…

Foto: Andreas Hermsdorf/pixelio.de
Foto: Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Ob eine Reportagereise durch die EU oder ein Buch über die Ausbildung zum Psychoanalytiker – inhaltlich sind der Crowdfunding-Plattform „krautreporter.de“ keine Grenzen gesetzt. Es geht um die Förderung von unabhängigem Journalismus. Von Journalismus, der in dieser Form aus den unterschiedlichsten Gründen innerhalb konventioneller Medienunternehmen nicht stattfinden würde.

Aber was ist diese Crowd überhaupt? Für Sebastian Esser, Gründer der „Krautreporter“ ist das die falsche Frage – weil es die Crowd nicht gibt. Stattdessen gibt es viele kleine Gruppen mit möglicherweise sehr unterschiedlichen Interessen. Die müsse man aktivieren können, wenn man tatsächlich Erfolg haben will mit einem Crowdfunding-Projekt, sagt Esser. Was gleichzeitig aber auch nach sich zieht, dass die Seite als Plattform nur sehr bedingt zum Erfolg eines Projekts beitragen kann. Oder anders gesagt: Die Webseite der „Krautreporter“ ist in erster Linie das Zahlungs-Tool und weniger die Stelle, an der ein Projekt richtig bekannt gemacht wird und User zum mitfinanzieren animiert werden.

So funktionieren die „Krautreporter“

Wer ein Projekt über die Crowd finanzieren will, muss sich bei den „Krautreportern“ zunächst anmelden und dann sein Projekt beschreiben. Zwingend (!) dazu gehört auch ein Video, das bei „Vimeo“ hochgeladen und dann verlinkt werden muss. Wenn das alles ausgefüllt und das Video verlinkt ist, wird das Projekt von den „Krautreporter“ überprüft und – falls nichts dagegen spricht – zeitnah freigeschaltet. Im Projekt selber gingt man eine beliebig hohe Summe und einen Zeitraum an, in dem man diesen Betrag erzielen möchte. Unterstützter können dann in diesem Zeitraum finanzielle Unterstützung für das Projekt zusagen. Nur zusagen deshalb, weil eine Auszahlung des Betrags vom Erfolg abhängt. Der Betrag für das Projekt wird also nur ausgezahlt, wenn die volle Summe erreicht wird. Wenn nicht, dann gibt es gar nichts – und dem potentiellen Unterstützer entstehen auch keine Kosten. Bislang wurden 43 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 185.000 Euro finanziert.

Natürlich gibt es ein paar grundsätzliche Dinge, die man beachten sollte, wenn man ein Crowdfunding-Projekt startet. Transparenz beispielsweise. Wer einfach nur Geld einsammeln will bzw. diesen Eindruck erweckt, der wird es vermutlich schwer haben. Stattdessen: klar definieren, wodurch Kosten entstehen und warum man den Betrag X, den man einsammeln möchte, auch tatsächlich braucht.

Auch das Thema des Projekts spielt naturgemäß eine Rolle. Sebastian Esser empfiehlt, sich Nischen zu suchen. Nischen, in denen es ein sehr affines und interessiertes Publikum und vergleichsweise wenige Projekte gibt. Wenigstens dafür glaubt Äser eine Faustregel entdeckt zu haben: Journalisten seien demnach darauf trainiert, Dinge zu veröffentlichen, die sehr viele Leute „so ein bisschen interessieren“. Wenn man allerdings mit einem Thema konfrontiert sei, dass nur ein bisschen interessiere, dann sei die Neigung, dies finanziell zu unterstützen, vermutlich nicht sonderlich ausgeprägt.

Die Möglichkeit des Scheiterns muss man allerdings auch dann in Betracht ziehen, wenn man vermeidlich alles richtig gemacht hat: Zwar verweist Sebastian Esser darauf, dass bei den „Krautreportern“ zwei Drittel der bisherigen Projekte auch tatsächlich finanziert wurden. Allerdings heißt das im Umkehrschluss aber eben auch: Ein Drittel der Projekte konnten nicht crowdfinanziert an den Start gebracht werden.

 

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