Interview 12. November 2013

Datenjournalismus: Die Zukunft in Zahlen

by Christian Jakubetz

Kein Zweifel: Das Thema Daten ist in vielerlei Hinsicht eines der großen unserer Zeit. Natürlich auch und vor allem für Journalisten. Wenn sich aus Daten Informationen gewinnen lassen, dann ist das eine relevante Erzählform. Aber wie kann das in Zukunft aussehen? Und vor allem: Ist Datenjournalismus etwas, womit Journalisten Geld verdienen können?

Aus Zahlen Geschichten machen: Datenjournalismus ist inzwischen eine der wichtigsten Darstellungsformen im digitalen Journalismus. (Foto: Markus Vogelbacher/pixelio.de)
Aus Zahlen Geschichten machen: Datenjournalismus ist inzwischen eine der wichtigsten Darstellungsformen im digitalen Journalismus. (Foto: Markus Vogelbacher/pixelio.de)

Mirko Lorenz, Projektleiter Datenjournalismus bei der ABZV, ist davon überzeugt:“Das ist eine große Chance für den Journalismus.“ Für unterstützende Visualisierungen wie eben Datenprojekte oder eben auch Videos, die letztendlich erklärenden Charakter haben, seien die Menschen gerne bereit, auch Geld zu bezahlen. Datenjournalismus sei zunehmend eine sehr gute Option, komplexe Geschichten zu erzählen: „Nicht immer, aber immer öfter.“

Das große Interesse am Thema Datenjournalismus hat einen Hintergrund, der mit Medien und Journalismus nur sehr bedingt zu tun hat: Im Zuge der Digitalisierung der Welt entstehen inzwischen tagtäglich an den unterschiedlichsten Stellen der Welt Daten in einer Menge, wie man sich das bisher nicht vorstellen konnte. Aufgrund dieser enormen Mengen spricht man inzwischen auch von “Big Data”.

Ungeordnet und unstrukturiert kann man mit diesen Zahlenmassen zunächst natürlich nicht viel anfangen. Sortiert und mit Algorithmen versehen liefern sie hingegen enorm viele Informationen. Immer mehr Unternehmen, aber auch Organisationen und Institutionen gehen deshalb mittlerweile dazu über, “Big Data” für ihre Zwecke zu nutzen. Aus großen Datensätzen lassen sich nicht etliche Informationen über das Hier und Jetzt gewinnen, sondern zudem auch zuverlässige Prognose über die Zukunft ableiten. Bei Großkonzernen bestimmen solche Algorithmen bereits heute schon zu einem Teil beispielsweise die Mengen an Waren, die man zu einem bestimmten Anlass an bestimmten Tagen einkauft. In den USA wird “Big Data” zur Verbrechensbekämpfung eingesetzt. Aus Datemsätzen lassen sich Prognosen über die zu erwartende Häufigkeit von Straftaten in bestimmten Regionen vorhersagen. Die Erfolgsquote liegt in einem signifikanten Bereich und ist weit davon entfernt, dass man diese Erfolge auf Zufallsfaktoren schieben könnte.

Schwerpunkt Datenjournalismus

In diesem Schwerpunkt “Datenjournalismus” beschäftigen wir uns mit den wichtigsten Entwicklungen, den Grundlagen, Praxiserfahrungen und Tipps für diese neue Variante des digitalen Journalismus. Bisher erschienen:

“Big Data” hat natürlich zwei Seiten: Neben den unbestreitbaren Vorzügen gibt es auch Risiken. Kritiker befürchten, dass solche enormen Datenmengen letztendlich zum “gläserenen Bürger” führen, der den Einflussnahmen von Staat und Konzernen hilflos ausgesetzt ist.

Für Journalisten haben die neuen Datenströme zwei Aspekte. Zum einen können – wie oben beschrieben – aus sehr großen Datensätzen relevante und neue Informationen gewonnen werden. Zum anderen lassen sich mit multimedialen und interaktiven Darstellungsformen auch Möglichkeiten der Aufbereitung und Visualisierung produzieren, die bisher undenkbar waren und über die Möglichkeiten der guten, alten Infografik weit hinausgehen.