Digitales Leben 17. Juli 2013

Am Puls der digitalen Medienzeit

by Christian Jakubetz

Der Bayerische Rundfunk hat ein neues Jugendradio gestartet. Das wäre noch gar keine sonderlich aufregende Neuigkeit. Würde es sich bei „BR Puls“ nicht um ein „Radio“ völlig neuer Art handeln. Und um eines, dass die Medienzukunft womöglich schon ein Stück vorweg nimmt.

Radio neuer Art: Thomas Müller von BR Puls. (Foto: Jakubetz)
Radio neuer Art: Thomas Müller von BR Puls. (Foto: Jakubetz)

Ein Radio, das kein Radio mehr ist. Fernsehen, das auf allen möglichen Kanälen stattfindet. Und Zeitungen, die man nicht mehr druckt und die im klassischen Sinne auch keine Zeitungen mehr sind. Man kann die Medienvielfalt schon mal als verwirrend empfinden, vor allem dann, wenn man sie anhand der bisherigen Begriffe  zu definieren versucht. Beim Bayerischen Rundfunk (BR) gibt es seit diesem Jahr ein neues Jugendprogramm namens „Puls“, an dem man gut verfolgen kann, was die Medien der Zukunft ausmacht. Nämlich, dass sie sich nicht mehr als ein Medium mit angeschlossener Webseite verstehen. Sondern als Projekte und Redaktionen, die auf sehr vielen unterschiedlichen Kanälen sehr viele unterschiedliche Dinge tun. Zwar alle unter einem gemeinsamen Label – aber eben auch dem jeweiligen Kanal angepasst.

Thomas Müller verantwortet bei „Puls“ den Bereich Social Media.  Einer von vielen (neuen) Bereichen, die in dem Programm eine wichtige Rolle spielen. Trotzdem ist es nicht so, wie man glauben könnte, wenn man vielen Redaktionen zuschaut: dass man nämlich dem etablierten Programm ein wenig Facebook und Twitter hinzufügt und ansonsten weitgehend alles beim Alten belässt. Im Gegenteil: „Radio und Fernsehen wird es weiter geben, sie werden aber nicht mehr die Primärmedien sein“, sagt Müller – und weist darauf hin, dass sie es für einen beträchtlichen Teil jüngerer Nutzer ohnehin schon nicht mehr sind.

Das berühmte trimediale, crossmediale, transmediale Arbeiten also, das man sich auch bei „Puls“ auf die Fahnen geschrieben hat. Das aber soll mit Bedacht geschehen und keinesfalls nach dem Gießkannenprinzip, nach dem man einfach sehr viele Dinge gleichzeitig in viele Kanäle schüttet. Nicht alles, so Müller, mache Sinn, trimedial ausgespielt zu werden. Deshalb macht man sich in der Redaktion die Gedanken darüber, was wo stattfinden soll, einfach schon vorher. Das alleine aber reicht noch nicht aus: „Man muss verstehen, wie diese Kanäle funktionieren“, sagt Müller. Und, ebenfalls unverzichtbar: eine gute Absprache innerhalb der Redaktion. Jeder macht also alles und wird damit zur viel zitierten eierlegenden Wollmilchsau? Keineswegs: „Bei uns wird niemand durch alle Kanäle getrieben.“

Puls-Homepage: konsequent trimedial ausgerichtet.
Puls-Homepage: konsequent trimedial ausgerichtet.

Trotzdem spielen soziale Netzwerke eine enorm große Rolle bei „Puls“.  Die Redaktion versucht, „die Kanäle entsprechend ihrer Möglichkeiten zu nutzen“. Was aber auch bedeutet: Man muss sich mit jedem dieser Kanäle beschäftigen, Copy&Paste funktioniert dort überhaupt nicht. Und: „Social Media muss man mit einer gewissen Verlässlichkeit ausstatten“, betont Müller.

Und was ist das jetzt, was „BR Puls“ macht? „Wir nehmen definitiv die Zukunft schon etwas vorweg“, glaubt der Social-Media-Mann. Das alleine ist aber nicht das Ziel. Müller würde in Zukunft gerne viel öfter Dinge selber an den Start bringen, anstatt abzuwarten, dass sich etwas etabliert.

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