Print 5. Juni 2013

Nach der analogen Schrumpfkur: Hoffnung auf Digitalien

by Christian Jakubetz

Wie geht es den Tageszeitungen? Auf diese Frage erhält man, je nach Sichtweise, immer noch sehr unterschiedliche Antworten. Erst unlängst beispielsweise sorgte die Aussage eines Dortmunder Medienökonomen für Aufsehen, die Verlage in Deutschland erwirtschafteten immer noch hohe Renditen. Nüchtern betrachtet sehen die Zahlen allerdings anders aus…

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Dass die Auflagen der Zeitungen sinken, ist keine wirkliche Neuigkeit mehr. Seit über 20 Jahren gehen sie nunmehr zurück, eine Trendwende ist weiterhin nicht in Sicht und wird auch von Optimisten mittlerweile nicht mehr erwartet.Im Jahr 1991 hatten die Tageszeitungen eine tägliche Auflage von rund 27,3 Millionen Exemplaren. 20 Jahre später lag die verkaufte Auflage bei weniger als 19 Millionen Exemplaren.

Verkaufte Auflage der Tageszeitungen in Deutschland bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Auch die durch Werbung generierten Umsätze gehen zurück – und das ist möglicherweise der entscheidendere Punkt. Noch im Jahr 2007 erlösten die Tageszeitungen rund 4,8 Milliarden Euro aus Werbung. Für das Jahr 2013 gehen Experten nur noch von gut 3,5 Milliarden aus, für das Jahr 2016 prognostizieren sie einen weiteren Rückgang auf bis zu 3,2 Milliarden. Träte dies tatsächlich ein, würden Tageszeitungen innerhalb von nur einem Jahrzehnt rund 1,3 Milliarden Euro Werbeumsätze verloren haben. Erschwerend hinzu kommen die sinkenden Vertriebserlöse.

Werbeumsätze der Zeitungen in Deutschland von 2003 bis 2016
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Gibt es dann jetzt überhaupt das, was inzwischen leichtfertig „Zeitungssterben“ genannt wird? Auch das ist, wie so vieles, eine Frage der Sichtweise und der Relation. Legt man die Jahre zwischen 2009 und 2011 zugrunde, dann wäre „Zeitungssterben“ ein viel zu starker Begriff. In dieser Zeit sank die Zahl der in Deutschland herausgegebenen Tageszeitungen von 351 auf 347, zwischen 2010 und 2011 blieb sie sogar konstant. 2012 waren es dann nur noch 333 Zeitungen. Blickt man sehr weit zurück, handelt es sich um eine andere Dimension: 1965 erschienen in Deutschland immerhin noch stolze 543 Blätter.

Trotzdem ist der Branchenverband BDZV optimistisch, was die weitere Entwicklung angeht. Die Potentiale vor allem in der digitalen Entwicklung seien noch lange nicht ausgeschöpft. In einem Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Tageszeitungen im Jahr 2012 heißt es u.a.: „Die Zeitungsverlage haben alle Voraussetzungen, als Gewinner aus der digitalen Veränderung der Medienkultur hervorzugehen. Dabei gründen sich die Strategien der Branche auf drei Säulen: Zum einen wird das Geschäft mit gedruckten Produkten weiterentwickelt; Print bleibt ein erfolgreiches Geschäft, und die Möglichkeiten von Papier sind dank digitaler Technologie längst nicht ausgeschöpft. Ferner erschließen die Verlage offensiv die digitalen Märkte und entwickeln online und mobil zusätzliche Angebote für Leser, Nutzer, Werbekunden. Dritte Säule ist die Diversifizierung; hierzu zählen Verlagsengagements in der Aus- und Weiterbildung, im Veranstaltungsmanagement, bei der Briefzustellung oder in der B-2-B-Dienstleistung für Unternehmen und Organisationen.“

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