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Datenjournalismus – das große Ding der Zukunft, eine Nische oder womöglich nur ein Hype, eine Spielerei mit sehr vielen Zahlen? Die Meinungen gehen auseinander. Ein Projekt der “Süddeutschen” zeigt jetzt allerdings, wie man aus Daten mehr machen kann als ein paar amüsante Klicks: Der interaktive Europaatlas zeigt, zu was Datenjournalismus in der Lage sein kann, wenn man es denn richtig anfasst.

Redakteur des interaktiven Europaatlas: Wolfgang Jaschensky.

Redakteur des interaktiven Europaatlas: Wolfgang Jaschensky.

Ganz Bayern ist ein Hort der guten Bildung und der großen Berufschancen. Ganz Bayern? Nein, zumindest statistisch gesehen nicht: Nur rund 21 Prozent der Bevölkerung dort gehören zur Kategorie der Hochschulabsolventen. Das liegt deutlich unterhalb des Bundesschnitts. Und das, obwohl der schon nicht so berühmt ist. Mit gut 27 Prozent kommen die Deutschen beispielsweise mit Norwegern oder Briten nicht mit. Tröstlich hingegen: In Italien sind es weitaus weniger Hochschulabsolenten, gerade mal gut 15 Prozent.

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Der interaktive SZ-Atlas: Über 50 Statistiken in acht Rubriken aufbereitet.

Zahlenspielerei oder “richtiger” Journalismus? Eine Debatte, die vermutlich so alt ist wie der Datenjournalismus selbst. Schließlich hat der Datenjournalismus in erster Linie sehr viel damit zu tun, dass man mehr oder weniger große Zahlenmengen so aufbereitet, dass aus ihnen irgendwann mal Information wird. Ist das Journalismus – oder eben doch eher gehobenes Infografiktum? Für Wolfgang Jaschenksky, Homepagechef bei “süddeutsche.de”, ist das keine Frage: Schließlich würden bei solchen Projekten ja immer auch klassische journalistische Fragen beantwortet bzw. in der Gestaltung des Projektes eine Rolle spielen: Ist ein Datensatz wichtig oder nicht? Ist diese Information relevant oder eher überflüssig? Jaschensky muss es wissen. Er war schließlich verantwortlicher Redakteur für ein großes datenjournalistisches Projekt, das jetzt bei “sz.de” online gegangen ist: Ganz Europa ist dortvisa zithromax suspension. Insgesamt sind dort über 50 Statistiken in acht Kategorien aufbereitet. Wie es um Bildung bestellt ist, den Tourismus oder einfach nur die Internetnutzung, dort ist es abrufbar. Unterteilt ist der Atlas nicht nur nach Themen, sondern auch nach Staaten, Länder und Regionen. Soll heißen: der aufgeführte Vergleich der Hochschulabsolventen lässt sich sowohl auf Ebene von Staaten, Ländern (also bspw. Bundesländer) oder Regionen abrufen.

Datenjournalismus: Europa in Zahlen from Christian Jakubetz on Vimeo.

Dabei – und das zeigt die eigentliche Aufgabe des Datenjournalismus – ging es dabei nicht so sehr um das aufwändige Recherchieren solcher Informationen. Die lagen vor – von Eurostat, für jedermann einsehbar und auch downloadbar. Vielmehr war die Aufgabe, einen solchen tendenziell eher unansehnlichen, unstrukturierten und für Nicht-Statistiker vermutlich auch wenig erhellenden Haufen an Daten so aufzubereiten, dass am Ende gute und vor allem verständliche, nutzwertige Informationen herauskommen. “Eine große Rechercheleistung war das jetzt nicht”, räumt auch Wolfgang Jaschensky ein. Dafür kann der interaktive Datenjournalismus hier seine Stärken gegenüber der klassischen Infografik ausspielen. Auf einer Oberfläche können unzählig viele Informationen aufbereitet werden, noch dazu individualisierbar.

“Süddeutsche.de” ist unter den großen deutschen Nachrichtenangeboten gemeinsam mit “Zeit Online” die Seite, die sich in Deutschland am erfolgreichsten mit dem Thema Datenjournalismus auseinandersetzt. Im vergangenen Jahr launchte die Seite den großen “Zugmonitor”, bei dem in Echtzeit abzurufen ist, wie pünktlich die Züge der Bahn fahren auf auf welchen Streckenabschnitten es gerade gut oder auch weniger gut läuft. Das Projekt wurde u.a. für den “Grimme Online Award” nominiert.

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