Medienwandel 26. Januar 2013

Medien machen mobil

by Christian Jakubetz

Eine erstaunliche Renaissance, eine absehbare Entwicklung und weiterhin Papier auf dem Rückmarsch – die ersten Tendenzen des neues Jahres deuten darauf hin, dass sich auch 2013 vieles um den Wechsel von Papier hin zum Digitalen und zur Mobilität drehen wird.

 

Medienwandel 2013: Das gedruckte Papier ist auf dem Rückmarsch, digitale und mobile Medien weiter auf dem Vormarsch.
Medienwandel 2013: Das gedruckte Papier ist auf dem Rückmarsch, digitale und mobile Medien weiter auf dem Vormarsch.

Drei Meldungen aus einer Woche, drei Nachrichten, die auf den ersten Blick nicht sehr viel miteinander zu tun haben. Wenn man dann aber etwas genauer hinschaut, stellt man schnell fest, dass sie unter dem Strich doch sehr stark mit dem laufenden Medienwandel zu tun haben. Kurz zusammengefasst: mehr Mobilität, mehr Digitales, weniger Papier.  Keine Entwicklung, die ganz neu oder überraschend wäre. Wohl aber eine Bestätigung dessen, dass sich der Wandel schneller fortsetzt, als wie man das noch vor Jahresfrist für möglich gehalten hätte.

image002Erster Trend: Das E-Paper, eigentlich vor einigen Jahren schon von Experten als Auslaufmodell abgetan, erlebt nochmal eine erstaunliche Renaissance. In Zahlen gepackt: Die ePaper-Auflage der überregionalen Tageszeitungen in Deutschland ist im vierten Quartal 2012 gegenüber dem Vorquartal um 12,5 Prozent gewachsen. Besonders kräftig legten das Handelsblatt (36 Prozent), die Frankfurter Rundschau (32 Prozent) und die taz (23 Prozent) zu. Die größte ePaper-Auflage hat weiterhin die Bild. Zwischen Oktober und Dezember kauften täglich fast 27.000 Menschen die elektronische Ausgabe des Blattes. Auf Platz zwei liegt die Süddeutsche (15.219 Exemplare), gefolgt von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (13.304 Exemplare). Im Vergleich mit Print ist das ePaper damit immer noch ein Nischenprodukt; aber eines das deutlich wächst. Das allerdings auch gute E-Paper-Verkäufe kein Allheilmittel in Krisenzeiten, zeigt ironischerweise die „Frankfurter Rundschau“.

Auch Mobilität ist ein großes Thema. Nicht wenige Prognosen gehen davon aus, dass 2014 das erste Jahr sein wird, in dem mehr Menschen mobil auf das Netz zugreifen als über stationäre Rechner. Schaut man sich die neuesten „Mobile Facts“ der Agof an, kann man sich vorstellen, dass dies nicht einfach nur eine Theorie ist. Alle relevanten Indikatoren gehen steil nach oben. Die wichtigsten: Jeder dritte Deutsche (ab 14) ist bereits mobil im Netz unterwegs. Seit die Zahlen 2010 zum ersten Mal erhoben wurden, hat sich die Zahl der „Unique Mobile User“ verdoppelt. Und: Jeder sechste dieser Nutzer gibt an, schon jetzt häufiger mobil ins Netz zu gehen als von einem an einem festen Platz angedockten Rechner. Top-Anwendungen (aus journalistisch-medialer Sicht) sind demnach das Lesen von Nachrichten sowie die diversen Social-Media-Seiten und Applikationen; allen voran natürlich Facebook. So genannte „Location Based Services“, denen man schon vor Jahren eine große Zukunft vorhergesagt hatte, sind zwar laut Agof auf dem Vormarsch, immer aber noch ein Minderheitenprogramm. Lediglich von 1,8 Prozent der Mobil-Nutzer werden sie derzeit verwendet.

Druckauflagen sinken weiter

Mehr Mobilität, mehr E-Paper, dafür weniger gedrucktes Papier – dieser Dreiklang scheint unvermeidbar. Tatsächlich sind die Druck-Auflagen der deutschen Tageszeitungen auch im letzten Quartal 2012 wieder gesunken. Rechnet man die bei einigen Blättern erst in diesem Quartal hinzugenommenen E-Paper-Auflagen raus, hat in Deutschland keine einzige Zeitung an Auflage gewonnen. Vor allem die Boulevard-Blätter mussten teils beträchtliche Verluste hinnehmen. Alleine Branchenprimus „Bild“ verlor im Vorjahresvergleich  über 180.000 Exemplare, das sind 6,7 Prozent. Aber auch die großen Qualitätsblätter wie die SZ, die FAZ und die „Welt“ verloren zwischen 0,5 Prozent („Welt“) und 2,1 Prozent (FAZ).

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