Medienwandel 31. Juli 2012

Eine Mailbox für anonyme Informanten

by Christian Jakubetz

Als erste große deutsche Redaktion bietet „Zeit online“ eine professionalisierte Version des Whistleblowing an: Ab sofort ist ein digitaler Briefkasten eingerichtet, in den Nutzer vertraulich, anonym und sicher Dokumente hochladen können.

Anonym und sicher: "Zeit online" startet einen "digitalen Briefkasten" für Informanten. (Foto: Stephanie Hofschläger/pixelio.de)
Anonym und sicher: „Zeit online“ startet einen „digitalen Briefkasten“ für Informanten. (Foto: Stephanie Hofschläger/pixelio.de)

Spätestens seit es Wikileaks gibt, muss sich der Journalismus mit diesem Thema beschäftigen: „Whistleblowing“, das anonyme Zuspielen meist heikler Daten und Unterlagen. Plattformen wie „Wikileaks“ haben damit nichts anderes gemacht, als diese Daten und Unterlagen zu dokumentieren und sie öffentlich zugänglich zu machen. Die journalistische Einordnung überließ man anderen. In Deutschland war es zuletzt zweimal der „Spiegel“, dem die Unterlagen vorab zur Einsicht zur Verfügung gestellt wurden.  Diese Lücke will jetzt „Zeit Online“ füllen – und zudem dabei auch den Umweg über eine andere Plattform vermeiden.

Natürlich: Vertrauliche Informationen gehörten schon immer zum Journalismus. Ohne irgendjemanden, der einem Journalisten mal „etwas steckt“, würde der gesamte investigative Journalismus nicht funktionieren. Für Chefredakteur  Wolfgang Blau gibt es aber eine dennoch eine Hemmschwelle – und die ist paradoxerweise: der Journalist. „Es ist eben ein Unterschied, ob man sich mit einem Redakteur trifft oder ob man sie völlig anonym und möglichst sicher an uns übergeben kann“, sagt Blau in einem Video, in dem die Idee dieser Plattform erklärt wird.

Gleichzeitig legt die Redaktion dennoch Wert darauf, keine Whistleblower-Plattform im Stil von „Wikileaks“ zu sein. Hochgeladene Dokumente werden also weder per se noch ungeprüft veröffentlicht. Die Dokumente werden journalistisch überprüft und dann ggf.  im Zuge einer redaktionellen Berichertstattung verwendet. Dabei muss die Berichterstattung nicht zwingend bei „Zeit online“ stattfinden. Die Dokumente können auch von der Printausgabe verwertet werden.

Vor allem die Sicherheit ist es, die bei den Planungen der Redaktion eine besondere Rolle spielt. Alle Datenübertragungen werden ausschließlich verschlüsselt durchgeführt. Nach dem Upload werden die Daten sofort wieder vom Server gelöscht. Ausführliche Hinweise, wie man sich bei der „Datenspende“ am besten schützt, finden sich hier.  Ebenso hat die Redaktion detaillierte Hinweise veröffentlicht, was nach dem Upload mit den Daten passiert.

Der gesamte „Digitale Briefkasten“ ist als Open Source angelegt. Das bedeutet, dass jeder Interessent mit dem Code experimentieren kann. Auch Betreiber einer eigenen Webseite können den Briefkasten auf ihrer Seite einbauen.

 

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