Digitales Leben 9. Mai 2012

Lobo und Tagesschau für GOA nominiert

by Christian Jakubetz

Die Nominierungen für den Grimme Online Award stehen fest. Unter den Kandidaten: Netzikone Sascha Lobo und ein Projekt, das vor allem aus medienpolitischen Gründen durchaus umstritten ist…

 

Der GOA gehört inzwischen zu den begehrtesten Auszeichnungen in der Online-Welt. 25 Projekte sind in diesem Jahr nominiert worden, eingereicht worden waren natürlich deutlich mehr.

Breiter und vielfältiger könnte das Spektrum kaum sein, und das gilt für alle Aspekte, von den Inhalten bis zu den Formen, den Zielsetzungen und der inneren Aufbereitung“: So fasste Grimme-Direktor Uwe Kammann die Nominierungsphase zusammen. Besonders auffällig sei, dass Grenzen zwischen den Netzwelten und den Wirklichkeitsräumen zunehmend verschwänden, ebenso wie frühere Trennlinien zwischen Online- und Offline-Medien: „Das Netz bietet in seinen besten Beispielen eine hochproduktive Erweiterung aller Bereiche der Lebens- und Medienwirklichkeiten.“

Die Unterscheidung zwischen online und offline, real und virtuell verliere an Trennschärfe und Bedeutung, betont auch die Nominierungskommission in ihrem Statement. „Auffallend viele Angebote wurden vorgeschlagen, die im Sinne einer erweiterten Realität die Netzwelt mit dem öffentlichen Raum verbinden. Die Netzwelt und der Ort, an dem wir uns befinden, verschmelzen miteinander.“ Beispielhaft für diese Entwicklung seien die nominierten Angebote in der Kategorie Spezial: „Memory Loops“ , ein Audiokunstwerk, das mittels Tonspuren zu Orten des NS-Terrors in München führt, und „RADIOORTUNG“ (Deutschlandradio) mit ortsbezogenen Handy-Hörspielen für öffentliche Räume in Berlin und Köln.

„Webseiten erklären sich neuen Besuchern zu schecht“

Insgesamt vermisst die Nominierungskommission bei manchen, auch den qualitativ insgesamt herausragenden Produktionen, eine bessere Auffindbarkeit, mehr Vernetzung mit der Zielgruppe sowie ausführlichere Informationen zu den Betreibern und der Idee hinter der Onlinepräsenz: „Viele Webseiten erklären sich ihren neuen Besuchern viel zu schlecht“, so die Kommission.

Positiv würdigt das Auswahlgremium die Einreichungen, die Publizistik und künstlerische Aspekte gekonnt verbinden. Besonders überzeugen konnten die Dokumentation „360 Grad Zürich Langstrasse“ des Schweizer Fernsehens sowie die beiden Webdokumentationen von ARTE, „Amazonien – die Seele der Indios“ und „New York Minute“. Über eine zunehmend relevante Kunstform berichtet das Webradio „hörbuchFM“, das sich umfassend mit den immer beliebteren Hörbüchern beschäftigt.

Mehrere in den Kategorien Information sowie Wissen und Bildung nominierte Seiten beschäftigen sich – wenn auch mit ganz unterschiedlichen Mitteln – mit historisch und gesellschaftspolitisch relevanten Themen: „Geheimsache Mauer“ bietet die Möglichkeit, die Geschichte der Mauer nachzuerleben. Das Online-Magazin „klimaretter.info“ berichtet tagesaktuell über Energiepolitik und den Klimawandel, während das „MiGAZIN“ einen fundierten Beitrag zur Integrationsdebatte in Deutschland und das Blog „Zukunft Mobilität“ zur Entwicklung zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte liefern. Das Online-Lexikon „Lobbypedia“ sammelt Wissen über die Einflussnahme von Unternehmen und Lobbyorganisationen auf Politik und Öffentlichkeit.

Die Parteienspendenfinanzierung transparent macht das interaktive „Parteispenden-Watch“ der taz. Die Nominierungskommission hebt in ihrer Begründung vor allem die überzeugende Datenvisualisierung dieses Angebots und des ebenfalls nominierten „Zugmonitor“ der Süddeutschen Zeitung, einer Live-Karte zu Verspätungen im Bahn-Fernverkehr, hervor. Beide Angebote wurden von OpenDataCity umgesetzt.

Viele beeindruckende Porträt- und Interviewprojekte wurden in diesem Jahr für den Grimme Online Award eingereicht. Für die Endrunde nominierte Projekte, die für diese Entwicklung stehen, sind die Fotofilm-Serie „berlinfolgen.de“ (2470media in Kooperation mit der taz) und das Videoangebot „140 Sekunden“, das die Geschichten und die Köpfe hinter interessanten oder rätselhaften Twitter-Nachrichten zeigt.

Erstmals auch Apps nominiert

Hervorzuheben sind auch die Nominierungen interessanter Autoren-Persönlichkeiten wie Sascha Lobos „Mensch-Maschine“-Kolumne bei Spiegel Online und das Reiselogbuch „Vor mir die Welt“ der Journalistin Meike Winnemuth. Der Twitter-Account @reporterZDF, der Youtube-Kanal des Musikers Klaus Kauker, „Spielverlagerung.de“, ein Gemeinschaftsprojekt rund um die Kunst der Taktik im Fußball und die Website „Design made in Germany“ der Designprofis um Nadine Roßa bieten hervorragend aufbereitete Einblicke in die Arbeit der Autoren.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Grimme Online Award konnten in diesem Jahr auch Apps eingereicht werden. Die Auswahl für die Nominierungskommission war dabei vielfach allein dadurch eingeschränkt, dass viele Apps nicht plattformübergreifend zur Verfügung stehen – eine Voraussetzung für die Nominierung. Überzeugen konnten die Apps der Tagesschau und der Frankfurter Rundschau.

 

 

 

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