Webvideos 20. Januar 2012

Webvideo-Blattkritik: UNSer Uwe, Udos Erben

by Christian Jakubetz

Kollege Markus Hündgen hat sich in der vergangenen Woche mit einem Fußball-Format beschäftigt: „Bruno sieht rot“ heißt es bei den Kollegen der „Stuttgarter Zeitung“. Weil Fußball ein sehr dankbares Thema ist, machen das auch andere zum Gegenstand von Videos. Beispielsweise die „Neue Westfälische“ oder auch die „Süddeutsche Zeitung“…

Neue Westfälische: UNSer Uwe

Kurzes Urteil: Zugegeben, nach dem mutmaßlichen Wortspiel im Rubrikentitel war die Erwartungshaltung nicht sehr hoch. Die Serie heißt so, weil auch der Interviewte, ein Sportredakteur der NW, Uwe mit Vornamen heißt. Im Gegensatz zu den „Bruno“-Episoden aus Stuttgart  will die NW gar nicht erst den Eindruck erwecken, es könne hier irgendwas Überraschendes oder Ungewöhnliches auf den Zuschauer warten. Und so, wie der Bruno aus Stuttgart voll ist mit Dingen, die man ggf. auch weglassen könnte, kommt Uwe ein bisschen daher wie ein Fußballstammtisch in Ostwestfalen. Kollege fragt Kollegen, der Kollege Uwe kommt auch ein bisschen wie eine lokale Fußballgröße daher (warum muss man den jungen Klaus Fischer denken, wenn man ihn sieht?). Technisch gibt es am Uwe nicht sehr viel zu mäkeln, was allerdings auch daran liegt, dass ein Kollegengespräch nicht sehr viel Fehlerpotential birgt. Trotzdem bleibt irgendwie ein schales Gefühl zurück: Will man sich wirklich jede Woche zwei talking heads in einem Newsroom als Video anschauen, um zu erfahren, dass die Bayern die „Faust in der Tasche“ haben und der Uwe sich am Wochenende Schalke anschaut?

(Das komplette Video: hier.)

Was halten Sie/Ihr von den Videos? Meinungen bitte in die Kommentare unten.

***

Bei „sueddetsche.de“ gibt es schon ein bisschen länger „Udos Erben“, zwei junge Herren in wechselnder Besetzung.

Kurzes Urteil: Dort müht man sich, Fußball eher in der SZ-Sichtweise zu präsentieren: weniger stammtischig, eher mit einer ironischen Note. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass sich zwei von Udos Erben in einem Bierzelt über Fußball unterhalten. Das Format arbeitet wesentlich mehr als die Kollegen der NW mit Bildern, was aber kein Kunststück ist, weil die Kollegen der NW eigentlich gar nicht mit Bildern arbeiten. Was den Schnitt und den Umgang mit visuellen Elementen angeht, sind „Udos Erben“ also deutlich weiter als die NW und trotzdem weniger schrill und überladen wie der Stuttgarter Bruno. Dafür hapert es sehr häufig beim Ton, der wahlweise mit dem falschen Mikro (im Bierzelt) oder gar keinem Mikro (im SZ-Gebäude) aufgenommen wird und meistens unangenehm blechern daherkommt. Was mal also mal wieder lernt: ein gutes Video steht und fällt mit seinem Ton. Für Formatlängen zwischen vier und fünf Minuten müsste den Protagonisten schon viel Originelles einfallen, das tut es aber nicht immer. Tipp: man muss es ja nicht auf 100 Sekunden eindampfen wie in Bielefeld, aber mit ein, zwei Minuten weniger kämen „Udos Erben“ auch ganz gut über die Runden. (Hier gibt es die aktuelle Folge zum Rückrundenstart).

Haben auch Sie/Ihr ein Videoformat auf Lager, dass wir uns anschauen sollen? Dann her damit! Schicken Sie uns eine E-Mail an: videokritik@ universal-code. de

 

Die „Webvideo-Blattkritik“ entsteht in Zusammenarbeit mit der European Web Video Academy, die u.a. den Deutschen Webvideopreis veranstaltet.

Comments 3
  • Vielleicht könnte man an dieser Stelle noch die Ur-Väter des Fußball-Webvideos-Diskurses, die Herren Köster und Kirschneck von 11Freunde lobend erwähnen.
    http://www.putpat.tv/playlist/11freunde_vb071111

  • Hallo liebe Kollegen,

    manchmal ist das Internet ja doch ganz schön schnell: kaum ist das erste „UNSer UWE“ für nw-news.de abgedreht, wird es schon Gegenstand einer – ja, das müssen wir zugeben: absolut fairen – Webvideo-Blattkritik. So im Gespräch zu sein, hat uns gefreut. Die mit Recht kritisierten Schwachstellen nehmen wir uns zu Herzen, freuen uns aber auch, dass wir neben den mit größerem Aufwand produzierten Clips der Kollegen mit unseren drei Folgen schon vorzeigbar daherkommen. Als weltoffene Ostwestfalen freuen wir uns auf einen weiteren Austausch zum Thema und arbeiten daran, dass „UNSer UWE“ weniger schal schmeckt. Aber die Klaus-Fischer-Frisur bleibt. Versprochen.

    Viele Grüße

    ein talking head

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