Social Media 29. Dezember 2011

Jeder kennt wen: 40 Millionen Deutsche in sozialen Netzen

by Christian Jakubetz

Wer muss eigentlich wo präsent sein? Die Einschätzung über die Bedeutung, die Größe und vor allem die Zukunft der sozialen Netzwerke ändern sich mindestens so schnell wie deren aktuelle Mitgliederzahlen. Bestes Beispiel: der Hype um Google plus. Innerhalb weniger Tage zum schärfsten Facebook-Gegner überhaupt erklären, häufen sich inzwischen Meldungen über zumindest verlangsamtes Wachstum. Wer wann welche Rolle spielen soll — ein Überblick.

So schnell war noch nie ein Netzwerk gewachsen. Google plus schaffte in gerade mal vier Wochen eine Mitgliederzahl von 25 Millionen.  Zum Vergleich: Für die gleiche Zahl brauchte Facebook drei Jahre, Twitter blieb nur knapp darunter. Einladungen für das Netzwerk waren plötzlich heiß begehrt, eine frühe Mitgliedschaft bei Google plus galt als digitales Statussymbol. Wer etwas auf sich hielt, kündigte auch gerne mal öffentlich an, seine Aktivitäten nur noch hierher zu verlagern und seine Profil bei Facebook nicht oder kaum mehr nutzen zu wollen. Gelobt wurde die im Vergleich zu Facebook auffällige Übersichtlichkeit und die deutlich einfachere Navigation. Insbesondere die Möglichkeit, Kontakte mit drag&drop in verschiedene „Circle“ zuzuteilen, wurde hervorgehoben.

Grafik: Statista

Inzwischen hat sich die Euphorie wieder etwas gelegt, der steile Anstieg der Nutzerzahlkurve ist  abgeflacht. Nach Berechnungen von TechCrunch nutzen inzwischen 67 Millionen Menschen weltweit Google Plus. Zwischen November und Dezember sind demnach „nur“ noch zwei Millionen Menschen dazugekommen. Auch andere Indikatoren wie beispielsweise die Zahl der Suchbegriffe oder der Datentraffic, der über Google Plus erzeugt worden ist, weisen auf ein sinkendes Interesse hin. Wie man das nun interpretiert, sei dahingestellt: eine Normalisierung? Ist das weiter konstantes Wachstum oder ist der Boom schon wieder vorbei, ist Facebook mit seinen hunderten Millionen Nutzern schlichtweg schon zu groß und zu mächtig? Darüber wird momentan heftig gestritten, eine allgemein gültige Interpretation gibt es naturgemäß noch nicht. Der amerikanische Forscher Paul Allen beispielsweise glaubt, dass Google Plus am Ende des Jahres 2012 rund 400 Millionen Mitglieder haben könnte. Das wiederum würde aber voraussetzen, dass es ein großes Potential von Nutzern gibt, die sich in mehreren Netzwerken engagieren. Ob sie das tun oder letztendlich doch nur bei einem bleiben — das ist die entscheidende Frage, auf die es bisher keine Antwort gibt.

Sicher ist: Die Bedeutung von sozialen Netzwerken für Medienmenschen ist ungebrochen. Je nach Auslegung könnte man auch sagen, dass sie weiterhin steigt. Auch 2011 war dieser Anstieg in Deutschland ungebremst. Mit rund 40 Millionen Menschen, die inzwischen in Deutschland bei Facebook, Twitter und all den anderen registriert sind, ist demnach statistisch gesehen jeder zweite Deutsche in einem solchen Netzwerk vertreten.

Comments 1
  • Die Nutzerzahlen auf Personen umzulegen ist natürlich einfach, etwas zu einfach vielleicht. Ist doch eine unbekannt Anzahl von Menschen in mehreren Netzwerken aktiv. Wenn ich mich einfach mal nehmen, dann bin ich zumindest registriert bei Facebook, Google+, Wer-kennt-wen, stayfriends, Xing, twitter und noch einigen anderen, die in der Liste oben nicht erwähnt werden. Neugier hat mich dazu veranlasst, mich dort zu registrieren. So wie mir, wird es doch vielen gehen. Eine interessante Zahl wäre die der regelmäßigen Nutzer – denn dann verringert sich bei mir die relevanten Anzahl von Netzwerken erheblich. Aber es bleiben dennoch drei übrig, die ich regelmäßig nutze. Ich glaube, dass es nicht übertrieben ist, wenn man die Zahlen, die oben genannt werden, mit erheblicher Vorsicht genießt. Ich würde sie zumindest halbieren, vielleicht sogar um zwei Drittel reduzieren.

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