Mobile 21. Dezember 2011

Wie Tablets Journalisten ins Schlafzimmer bringen

by Christian Jakubetz

Die Zahl klingt erst einmal wie eine Zahl eben so klingt: nüchtern. Doch dahinter verbirgt sich enormes Potenzial für Veränderungen: Der Absatz an Tablet-Computern steigt in Deutschland alleine 2011 um über 160 Prozent. 2,1 Millionen Stück werden dieses Jahr verlauft, hat der Branchenverband BITKOM errechnet – und es wäre ein Wunder, wenn das auf Journalismus und Medien keine Auswirkungen hätte…

iPad statt Zeitung: Inzwischen sind Tablets sogar selbstverständlicher Bestandteil des Frühstückstischs...

Medien und ihre Inhalte: Das war früher sehr oft an Uhrzeiten, Geräte und Rituale gebunden. Die „Tagesschau“ gab es um 20 Uhr, die Zeitung irgendwann morgens im Postkasten und die Radionachrichten zur vollen Stunde. Das hat sich mit dem Internet ohnedies schon geändert — und diese Entwicklung wird durch Tabletcomputer wie das iPad nochmals massiv beschleunigt. Das Tablet begleitet die Nutzer nämlich buchstäblich an Orte, an die es bisher noch kein digitales Gerät geschafft hat. Und: Die Menschen lassen sich gerne begleiten, sehr gerne sogar. So gerne, dass für viele, die bisher noch gar keines haben, der Kauf eines Geräts für 2012 ganz oben auf der Wunschliste steht.

Ist zwischen dem klassischen PC, dem Laptop und dem Netbook noch Platz für ein weiteres Gerät? Die Frage, die Steve Jobs bei der Einführung des iPad 2010 mit ja beantwortete, war lange Zeit heftig diskutiert. Die Kritiker des iPad warfen Apple inbesondere vor, dass es sehr viel weniger könne als ein Netbook, dafür aber ungleich teurer und somit nicht wirklich relevant sei. Die Kritiker sind inzwischen widerlegt, das iPad dominiert den Markt und nahezu alle wichtigen Hersteller haben sich wahlweise bereits an einem eigenem Tablet versucht oder zumindest angekündigt, das zu tun. Auch der Suchmaschinen-Riese Google hat angekündigt, wenn auch verklausuliert,mit einem eigenen Hochleistungs-Tablet ab 2012 am Markt sein zu wollen. Die Netbooks sind von den Tablets in Deutschland bereits deutlich überholt worden. Ihr Marktanteil am Comuptersegment beträgt nur noch 7 Prozent, während es die Flachrechner bereits auf 16 Prozent bringen.

Der Trend soll 2012 ungebrochen weitergehen. Laut BITKOM erwartet die Branche neuerlich einen Anstieg der verkauften Geräte um 29 Prozent auf dann rund 2,7 Millionen Stück. Das alleine wäre schon bemerkenswert genug, würde es nicht auch noch einen weiteren Trend geben: Sehr viel mehr als Laptops und Netbooks begleiten sie die Nutzer durch den Tag und ihre Umgebung.  Einer europaweit durchgeführten iPad-Studie zufolge sind Tablets mehr als die üblichen Arbeitsgeräte, die man eben in erster Linie in einem Arbeitsumfeld nutzt. Tablets sind am Abend fester Bestandteil des Wohnzimmerprogramms, sie sind dabei, wenn man abends im Bett vor dem Einschlafen noch liest — und sie ersetzen sogar die früher am Frühstückstisch obligatorische Zeitung. Kurz gesagt: Tablets sind Computer, werden von ihren Nutzern aber nicht als Computer wahr genommen.

 

iPad Studie
Ständiger Begleiter durch den Alltag: Tabletcomputer (Grafik/Quelle: Sanoma Media)

Und nicht nur das: Mit diesem Eindringen in ganz alltägliche Situationen (33 Prozent behaupten sogar, ihr Tablet mit auf der Toilette zu haben) rückt auch der Medienkonsum immer stärker in den Fokus. Weil Tablets geradezu prädestiniert sind für eine intensive und umfangreiche Nutzung von Medien aller Art. 99 Prozent der Befragten geben an, auf dem iPad journalistische Inhalte  zu nutzen, ebenfalls 99 Prozent nutzen das Gerät, um dort zu surfen.

Für Journalisten ergeben sich daraus eine ganze Reihe von Neuerungen:

  • Medien und Inhalte werden zunehmend mobil genutzt
  • Die zeitversetzte Nutzung nimmt weiter zu
  • Jede Darstellungsform kann inzwischen mobil in sehr guter Qualität genutzt werden
  • Die Bedeutung von Echtzeit- und Prozessjournalismus steigt weiter an
Interessanter Aspekt am Rande: Auch für etablierte und schon lange am Markt agierende Medien steigt die Chance auf neue Leser und Nutzer durch das Tablett anscheinend an. Nach einem Panel des Springer-Verlags geben immerhin  68 Prozent der iPad-Besitzer an, jetzt auch Zeitschriften und Zeitungen als Apps zu lesen, die sie vorher in der gedruckten Ausgabe nicht nutzten. Weitere 52 Prozent behaupten von sich, jetzt mehr zu lesen als noch in analogen Zeiten.
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