Aktuell 11. Dezember 2011

Twitter wird untwittriger

by Christian Jakubetz

Welche Idee dahinter liegt, sieht man schnell: Twitter hat seine Benutzeroberfläche überarbeitet. Vom Minimalismus früherer Tage ist nicht mehr sehr viel geblieben. Stattdessen sieht der Kurznachrichtendienst jetzt schon sehr viel mehr nach echtem Netzwerk aus.

Zug um Zug soll es kommen, das neue Twitter. Der eine hat es bereits, der andere nicht. Steuerbar ist dieser Prozess für die Nutzer nicht, klar aber ist dafür, was am Ende dieser Umstellung stehen soll. Twitter soll zwar weiterhin kurz und präzise sein, aber eben noch mehr nach Netzwerk aussehen.

Bald Vergangenheit: Das bisherige Design von Twitter wird in den kommenden Wochen Stück für Stück ersetzt.

 

Dabei wird das Layout künftig in vier unterschiedliche Bereiche unterteilt sein. Neben der bekannten Timeline steht jetzt vor allem der Punkt „Entdecke“ stark im Fokus. Mit ihm soll es möglich sein, Themen und Unterhaltungen zu verfolgen, die sich quasi abseits der eigenen Timeline abspielen. Twitter nutzt dazu neben dem aktuellen Standort des Nutzers auch seine Interessen und sein bisheriges Nutzerverhalten, um ihm eine möglichst personalisierte „Entdecke“-Rubrik anzubieten. Über den Punkt „Verbinde“ soll es fortan möglich sein, sich direkt in Konversationen einzuklinken oder auch einfach nur nachzusehen, was die anderen Follower gerade so machen. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Bisher war Twitter das, was man außerhalb der Welt der Medien gerne etwas sperrig „Kurznachrichtendienst“ nennt. Der Charakter des Dienstes war eher der eines permanenten 24-Stunden-Tickers, der häufig auf einseitiger Tätigkeit beruhte. Jetzt soll Twitter eher untwittrig und dafür eher facebookig werden, sprich: ein Netzwerk, in dem das Thema Kommunikation einen größeren Stellenwert als bisher bekommt.

Jeder bedient sich bei jedem

Umgekehrt hat der große und mächtige Dauerrivale Facebook ebenfalls reagiert und ermöglicht beispielsweise demnächst das Abo von Beiträgen von Menschen, die man gar nicht im Freundeskreis hat. Eine eindeutige Reminiszenz an das Twitter-Prinzip, das im Gegensatz zu Facebook nicht unbedingt Freundschaften oder andere Formen von reziproken Beziehungen verlangt. Bei Twitter kann jeder jeden abonnieren, ohne dass er mit dem jeweiligen Mitglied befreundet sein muss. Bei Facebook ist das bisher Bedingung (sofern ein Nutzer seine Beiträge nicht für alle einsehbar stellt). Auch Google + hat sich dem Twitter-Prinzip inzwischen angeschlossen und erlaubt es, jeden beliebigen Nutzer zu seinen „Circles“ hinzuzufügen, ohne dass dies auf Gegenseitigkeit basieren müsste.

Das neue Design will Twitter in der kommenden Wochen Stück für Stück einführen. In einer Übergangszeit werden also beide Oberflächen am Markt sein. Einen genauen Zeitraum für diese Umstellung nennt Twitter nicht. Ebenfalls aktualisiert worden sind die Apps für Tabletts und Smartphones. Auch bei ihnen ist an einen fließenden Übergang in den kommenden Wochen gedacht.

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