Social Media 29. November 2011

Netztrends: Portale und Mails sind sowas von 2004

by Christian Jakubetz

Zeitenwende in der Mediennutzung: Die Bedeutung von redaktionell erstellten Inhalten auf Portalen lässt drastisch nach, ebenso wie die Nutzung von klassischen Portalen. Der Trend geht stattdessen in die genau umgekehrte Richtung. Größte Gewinner: soziale Netzwerke. Das geht aus einer Studie hervor, die im Auftrag der FAZ erstellt wurde.

I like: Der Aufstieg der sozialen Netzwerke ist momentan unaufhaltsam.

Es gibt inzwischen nicht nur einen digitalen Graben, sondern auch einen zwischen jung und alt. Wer alt ist — in diesem Fall: über 55 — nutzt das Netz gerne immer noch so, wie er das Netz zu nutzen gelernt hat. Medien werden demnach klassisch von Unternehmen bereit gestellt, genutzt werden sie auf Portalen. Diese Portale sind das, was Zeitschtriften in früheren Zeiten waren. Umfangreiche Themensammlungen, deren Inhalte von Politik über Vermischtes bis zum Sport reichen. Mit dem Siegeszug der sozialen Netze geht diese vergleichsweise kurze Hochzeit der Portale schon wieder zu Ende. Den Zahlen der FAZ zufolge vollzieht sich dieser Wandel vor allem bei den 15- bis 24jährigen Nutzern drastsisch. So sei die verbrachte Zeit auf Portalen in dieser Altersgruppe in den vergangenen 12 Monaten um 50 Prozent gesunken. Diese Zeit (und noch mehr) geht komplett auf das Konto der sozialen Netzwerke. Die Aufenthaltsdauer der jungen Zielgruppe dort ist im gleichen Zeitraum um 64 Prozent gestiegen. Gleichbleibende Nutzung können T-Online & Co nur noch in der Altersgruppe ab 55 verzeichnen.

Für Medien und Redaktionen bedeutet das ebenfalls einen Wandel. Das traditionelle Modell im Journalismus lautet: Redaktion stellt Inhalte, Nutzer ruft es ab. In sozialen Netzwerken gilt aber nicht nur das Prinzip des (Ver-)Teilens, sondern auch des Selbermachens. Was bedeutet, dass sich Redaktionen und Journalisten die Aufmerksamkeit des Nutzers zunehmend mehr mit anderen Inhalten teilen müssen, selbst dann, wenn sie nach Meinung und Maßstäben von Journalisten gar nicht professionell sind.

Die weiterhin ungebrochen steigende Bedeutung des Netzes in der jüngeren Zielgruppe sorgt aber auch in den analogen Medien für Veränderungen. Die Jugendstudie JIM hat herausgefunden, dass sich Jugendliche in Deutschland inzwischen 134 Minuten am Tag im Netz aufhalten. Dagegen beträgt die tägliche Fernsehnutzung inzwischen „nur“ noch 113 Minuten. Größter Wachstumstreiber ist dabei übrigens die mobile Netznutzung. Fast ein Drittel der Jugendlichen geht inzwischen mobil ins Netz.

Nebenher übrigens auch noch auf dem Weg ins Abseits: die gute alte Mail.  Bereits sechs Prozent der Jugendlichen haben keine Mailadresse mehr, weil sie ihnen angesichts der zahllosen Kommunikationsangebote in den sozialen Netzen überflüssig erscheint.

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