Ausbildung 28. November 2011

„Geht in die Online-Projekte!“

by Christian Jakubetz

Es ist immer noch eine Glaubensfrage: Welcher (Ausbildung-)Weg in den Journalismus ist der Richtige? Hochschulen jedenfalls sind sehr viel besser als ihr Ruf — sagt Prof. Lorenz Lorenz-Meyer. An der Hochschule Darmstadt betreut er den Studiengang Onlinejournalismus, der einer der ersten seiner Art in Deutschland war. Von einem ist Lorenz-Meyer überzeugt: An vielen Universitäten und Hochschulen muss sich die Ausbildung nicht mehr hinter denen an Journalistenschulen verstecken.  Unzufrieden ist er dagegen mit dem Zustand des Onlinejournalismus in Deutschland.

Lorenz Lorenz-Meyer
Macht sich stark für die Vorzüge der Hochschul-Ausbildung: Lorenz Lorenz-Meyer

„In Deutschland glaubt man immer noch, es gebe nur zwei Königswege in den Journalismus: eine Schule oder ein Volontariat“, moniert der Darmstädter Professor. Dabei seien die meisten Studiengänge inzwischen deutlich praxisorientierter als noch vor wenigen Jahren und würden weitaus mehr vermitteln als nur Theorie. Speziell in Darmstadt würden die Studenten umfassend in allen medialen Darstellungsformen eingewiesen, ohne „dass wir den Anspruch haben, fertige Fernseh- oder Radiojournalisten auszubilden“. Dass diese Methode der Ausbildung auch ein bisschen etwas von den viel zitierten „eierlegenden Wollmichsäuen“ mit sich bringt, streitet Lorenz-Meyer nicht ab. Allerdings sei dies auch die Arbeitsweise, die am ehesten dem Alltag in vielen Onlineredaktionen entspreche. Journalisten müssten in vielen Fällen mit einem „Teilwissen“ an ihre Aufgabe herangehen, um damit herauszufinden, was man mit diesen Möglichkeiten an Neuem entwickeln könne. Wichtig sei eine „offene Herangehensweise“.

Unzufrieden ist Lorenz-Meyer mit dem aktuellen Zustand des Onlinejournalismus. Nach wie vor werde der Schwerpunkt auf Nachrichten gelegt und damit verbunden auch primär auf Schnelligkeit, Kompaktheit und einfache Verständlichkeit. Andere Darstellungsformen blieben dadurch allerdings oft auf der Strecke. „Ich wünsche mir, dass die Möglichkeiten der Online-Plattformen noch viel mehr ausgenutzt werden“, sagt der Professor — und empfiehlt seinen Studenten vielleicht genau deswegen eines: „Geht in die Online-Projekte und bewegt sie!“

Das ganze Interview zum Nachhören:

Journalistenschule oder Uni? by cjakubetzuser

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